Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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gemeiner Natur zum wahrhaften Seelenmaler. Er tritt aus dem Reich der Willkür in das Reich der Nothwendigkeit ein und darf ſich, wo nicht dem plaſtiſchen Künſtler, der den außern Menſchen, doch dem Dichter, der den innern zu ſeinem Objecte macht, getroſt an die Seite ſtellen.

Aber die landſchaftliche Natur kann auch zweitens noch dadurch in den Kreis der Menſchheit gezogen werden, daß man ſie zu einem Ausdruck von Ideen macht. Wir meinen hier aber keineswegs diejenige Erweckung von Ideen, die von dem Zufall der Aſſociation abhängig iſt: denn dieſe iſt willkürlich und der Kunſt gar nicht wurdig; ſondern diejenige, die nach Geſetzen der ſymboliſirenden Einbildungskraft nothwendig er⸗ folgt. In thätigen und zum Gefühl ihrer moraliſchen Würde erwachten Gemüthern ſieht die Vernunft dem Spiele der Einbildungskraft nicht müßig zu; unaufhörlich iſt ſie beſtrebt, dieſes zufällige Spiel mit ihrem eignen Verfahren überein⸗ ſtimmend zu machen. Bietet ſich ihr nun unter dieſen Er⸗ ſcheinungen eine dar, welche nach ihren eignen(praktiſchen) Regeln behandelt werden kann, ſo iſt ihr dieſe Erſcheinung ein Sinnbild ihrer eignen Handlungen; der todte Buchſtabe der Natur wird zu einer lebendigen Geiſtesſprache, und das außere und innere Auge leſen dieſelbe Schrift der Erſcheinun⸗ gen auf ganz verſchiedene Weiſe. Jene liebliche Harmonie der Geſtalten, der Töne und des Lichts, die den äſthetiſchen Sinn entzuckt, befriedigt jetzt zugleich den moraliſchen; jene Stetigkeit, mit der ſich die Linien im Raum oder die Töne in der Zeit aneinander fügen, iſt ein natürliches Symbol der innern Uebereinſtimmung des Gemüths mit ſich ſelbſt und des ſittlichen Zuſammenhangs der Handlungen und Gefühle, und in der ſchoͤnen Haltung eines pittoresken oder muſikaliſchen Stuͤcks malt ſich die noch ſchonere einer ſittlich geſtimmten Seele.