Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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er ſelbſt zuvor das Individuum in ſich ausgelöſcht und zur Gattung geſteigert haben. Nur alsdann, wenn er nicht als der oder ver beſtimmte Menſch(in welchem der Begriff der Gattung immer beſchraͤnkt ſeyn würde), ſondern, wenn er als Menſch überhaupt empfindet, iſt er gewiß, daß die ganze Gattung ihm nachempfinden werde— wenigſtens kann er auf dieſen Effect mit dem nämlichen Rechte dringen, als er von jedem menſchlichen Individuum Menſchheit verlangen kann.

Von jedem Dichterwerke werden alſo folgende zwei Eigen⸗ ſchaften unnachläßlich gefordert: erſtlich nothwendige Beziehung auf ſeinen Gegenſtand(objective Wahrheit); zweitens noth⸗ wendige Beziehung dieſes Gegenſtandes oder doch der Schil⸗ derung desſelben auf das Empfindungsvermögen(ſubjective Allgemeinheit). In einem Gedicht muß Alles wahre Natur ſeyn, denn die Einbildungskraft gehorcht keinem andern Geſetze und ertraͤgt keinen andern Zwang, als den die Nakur der Dinge ihr vorſchreibt; in einem Gedicht darf aber nichts wirkliche(hiſtoriſche) Natur ſeyn, denn alle Wirklichkeit iſt mehr oder weniger Beſchränkung jener allgemeinen Natur⸗ wahrheit. Jeder individuelle Menſch iſt gerade um ſo viel weniger Menſch, als er individuell iſt; jede Empfindungsweiſe iſt gerade um ſo viel weniger nothwendig und rein menſchlich, als ſie einem beſtimmten Subiect eigenthümlich iſt. Nur in Wegwerfung des Zufälligen und in dem reinen Ausdruck des Nothwendigen liegt der große Styl.

Aus dem Geſagten erhellt, daß das Gebiet der eigentlich ſchönen Kunſt ſich nur ſo weit erſtrecken kann, als ſich in der Verknüpfung der Erſcheinungen Nothwendigkeit entdecken läßt. Außerhalb dieſes Gebietes, wo die Willkür und der Zufall regieren, iſt entweder keine Beſtimmtheit oder keine Freiheit: denn, ſobald der Dichter das Spiel unſrer Einbildungskraft