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Tiefen der Herzen ſendet, fängt die Dichtungskraft ihre Strahlen auf, und die Gipfel der Menſchheit werden glän⸗ zen, wenn noch feuchte Nacht in den Thaͤlern liegt.
Wie verwahrt ſich aber der Künſtler vor den Verderb⸗ niſſen ſeiner Zeit, die ihn von allen Seiten umfangen? Wenn er ihr Urtheil verachtet. Er blicke aufwärts nach ſeiner Würde und dem Geſetze, nicht niederwärts nach dem Glück und nach dem Bedürfniß. Gleich frei von der eiteln Geſchäftigkeit, die in den fluͤchtigen Augenblick gern ihre Spur drücken möchte, und von dem ungeduldigen Schwär⸗ mergeiſt, der auf die duͤrftige Geburt der Zeit den Maßſtab des Unbedingten anwendet, überlaſſe er dem Verſtande, der hier einheimiſch iſt, die Sphäre des Wirklichen; er aber ſtrebe, aus dem Bunde des Möglichen mit dem Nothwen⸗ digen das Ideal zu erzeugen. Dieſes präge er aus in Taͤu⸗ ſchung und Wahrheit, prage es in die Spiele ſeiner Einbil⸗ dungskraft und in den Ernſt ſeiner Thaten, präͤge es aus in allen ſinnlichen und geiſtigen Formen und werfe es ſchwei⸗ gend in die unendliche Zeit.
Aber nicht Jedem, dem dieſes Ideal in der Seele glüht, wurde die ſchöpferiſche Ruhe und der große geduldige Sinn verliehen, es in den verſchwiegenen Stein einzudrücken oder in das nüchterne Wort auszugießen und den treuen Händen der Zeit zu vertrauen. Viel zu ungeſtum, um durch dieſes ruhige Mittel zu wandern, ſtürzt ſich der göttliche Bildungs⸗ trieb oft unmittelbar auf die Gegenwart und auf das han⸗ delnde Leben und unternimmt, den formloſen Stoff der mo⸗ raliſchen Welt umzubilden. Dringend ſpricht das Unglück ſeiner Gattung zu dem fühlenden Menſchen, dringender ihre Entwuͤrdigung; der Enthuſiasmus entflammt ſich, und das glühende Verlangen ſtrebt in kraftvollen Seelen ungeduldig


