Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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den Grund unterwühlt, auf welchem Fanatismus und Be⸗ trug ihren Thron erbauten. Die Vernunft hat ſich von den Tauſchungen der Sinne und von einer betrüglichen Sophiſtik gereinigt, und die Philoſophie ſelbſt, welche uns zuerſt von ihr abtrünnig machte, ruft uns laut und dringend in den Schoß der Natur zurück— woran liegt es, daß wir noch immer Barbaren ſind?

Es muß alſo, weil es nicht in den Dingen liegt, in den Gemüthern der Menſchen etwas vorhanden ſeyn, was der Aufnahme der Wahrheit, auch wenn ſie noch ſo hell leuchtete, und der Annahme derſelben, auch wenn ſie noch ſo lebendig überzeugte, im Wege ſteht. Ein alter Weiſer hat es empfun⸗ den, und es liegt in dem vielbedeutenden Ausdruck verſteckt: sapere aude.

Erkühne dich, weiſe zu ſeyn. Energie des Muths ge⸗ hört dazu, die Hinderniſſe zu bekämpfen, welche ſowohl die Traͤgheit der Natur als die Feigheit des Herzens der Be⸗ lehrung entgegen ſetzen. Nicht ohne Bedeutung läßt der alte Mythus die Göttin der Weisheit in voller Rüſtung aus Ju⸗ piters Haupte ſteigen: denn ſchon ihre erſte Verrichtung iſt kriegeriſch. Schon in der Geburt hat ſie einen harten Kampf mit den Sinnen zu beſtehen, die aus ihrer ſüßen Ruhe nicht geriſſen ſeyn wollen. Der zahlreichere Theil der Menſchen wird durch den Kampf mit der Noth viel zu ſehr ermüdet und abgeſpannt, als daß er ſich zu einem neuen und härtern Kampf mit dem Irrthum aufraffen ſollte. Zufrieden, wenn er ſelbſt der ſauren Mühe des Denkens entgeht, läßt er Andere gern über ſeine Begriffe die Vormundſchaft führen, und, geſchieht es, daß ſich höhere Beduürfniſſe in ihm regen, ſo ergreift er mit durſtigem Glauben die Formeln, welche der Staat und das Prieſterthum fuͤr dieſen Fall in Bereitſchaft