Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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halten. Wenn dieſe unglücklichen Menſchen unſer Mit⸗ leiden verdienen, ſo trifft unſere gerechte Verachtung die andern, die ein beſſeres Los von dem Joch der Beduͤrfniſſe frei macht, aber eigene Wahl darunter beugt. Dieſe ziehen den Dämmerſchein dunkler Begriffe, wo man lebhafter fühlt, und die Fantaſie ſich nach eignem Belieben bequeme Geſtal⸗ ten bildet, den Strahlen der Wahrheit vor, die das ange⸗ nehme Blendwerk ihrer Träume verjagen. Auf eben dieſe Täuſchungen, die das feindſelige Licht der Erkenntniß zer⸗ ſtreuen ſollen, haben ſie den ganzen Bau ihres Gluͤcks ge⸗ gründet, und ſie ſollten eine Wahrheit ſo theuer kaufen, die damit anfaͤngt, ihnen Alles zu nehmen, was Werth für ſie beſitzt. Sie müßten ſchon weiſe ſeyn, um die Weisheit zu lieben: eine Wahrheit, die Derjenige ſchon fühlte, der der Philoſophie ihren Namen gab.

Nicht genug alſo, daß alle Aufklaͤrung des Verſtandes nur inſofern Achtung verdient, als ſie auf den Charakter zu⸗ rückfließt; ſie geht auch gewiſſermaßen von dem Charakter aus, weil der Weg zu dem Kopf durch das Herz muß geöff⸗ net werden. Ausbildung des Empfindungsvermögens iſt alſo das dringendere Bedürfniß der Zeit, nicht bloß, weil ſie ein Mittel wird, die verbeſſerte Einſicht fur das Leben wirkſam zu machen, ſondern ſelbſt darum, weil ſie zur Verbeſſerung der Einſicht erweckt.

Neunter Brief.

Aber iſt hier nicht vielleicht ein Cirkel? Die theoretiſche Cultur ſoll die praktiſche herbeiführen, und die praktiſche