Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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wichtigſte aller Guͤter dem geſtaltloſen Zufall preisgegeben ſeyn? Der Conflict blinder Kraͤfte ſoll in der politiſchen Welt ewig dauern, und das geſellige Geſetz nie über die feindſelige Selbſtſucht ſiegen?

Nichts weniger! Die Vernunft ſelbſt wird zwar mit dieſer rauhen Macht, die ihren Waffen widerſteht, unmittel⸗ bar den Kampf nicht verſuchen und ſo wenig, als der Sohn des Saturn in der Ilias, ſelbſthandelnd auf den finſtern Schauplatz herunterſteigen. Aber aus der Mitte der Streiter wählt ſie ſich den wuͤrdigſten aus, bekleidet ihn, wie Zeus ſeinen Enkel, mit göttlichen Waffen und bewirkt durch ſeine ſiegende Kraft die große Entſcheidung.

Die Vernunft hat geleiſtet, was ſie leiſten kann, wenn ſie das Geſetz findet und aufſtellt; vollſtrecken muß es der muthige Wille und das lebendige Gefühl. Wenn die Wahr⸗ heit im Streit mit Kräften den Sieg erhalten ſoll, ſo muß ſie ſelbſt erſt zur Kraft werden und zu ihrem Sachführer im Reich der Erſcheinungen einen Trieb aufſtellen: denn Triebe ſind die einzigen bewegenden Kräfte in der empfinden⸗ den Welt. Hat ſie bis jetzt ihre ſiegende Kraft noch ſo wenig bewieſen, ſo liegt Dies nicht an dem Verſtande, der ſie nicht zu entſchleiern wußte, ſondern an dem Herzen, das ſich ihr verſchloß, und an dem Triebe, der nicht für ſie handelte.

Denn woher dieſe noch ſo allgemeine Herrſchaft der Vor⸗ urtheile und dieſe Verfinſterung der Köpfe bei allem Licht, das Philoſophie und Erfahrung aufſteckten? Das Zeitalter iſt aufgeklärt, Das heißt, die Kenntniſſe ſind gefunden und öffentlich preisgegeben, welche hinreichen würden, wenigſtens unſere praktiſchen Grundſätze zu berichtigen. Der Geiſt der ſreien Unterſuchung hat die Wahnbegriffe zerſtreut, welche lange Zeit den Zugang zu der Wahrheit verwehrten, und