Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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abhängt. Nun muß aber das Uebergewicht des analytiſchen Vermögens die Fantaſie nothwendig ihrer Kraft und ihres Feuers berauben, und eine eingeſchränktere Sphäre von Ob⸗ jecten ihren Reichthum vermindern. Der abſtracte Denker hat daher gar oft ein kaltes Herz, weil er die Eindrücke zergliedert, die doch nur als ein Ganzes die Seele rühren; der Geſchäͤftsmann hat gar oft ein enges Herz, weil ſeine Einbildungskraft, in den einförmigen Kreis ſeines Berufs eingeſchloſſen, ſich zu fremder Vorſtellungsart nicht erweitern kann. 4

Es lag auf meinem Wege, die nachtheilige Richtung des Zeitcharakters und ihre Quellen aufzudecken, nicht, die Vor⸗ theile zu zeigen, wodurch die Natur ſie vergütet. Gern will ich Ihnen eingeſtehen, daß, ſo wenig es auch den Individuen bei dieſer Zerſtuckelung ihres Weſens wohl werden kann, doch die Gattung auf keine andere Art hatte Fortſchritte machen können. Die Erſcheinung der griechiſchen Menſchheit war unſtreitig ein Maximum, das auf dieſer Stufe weder ver⸗ harren noch hoͤher ſteigen konnte nicht verharren, weil der Verſtand durch den Vorrath, den er ſchon hatte, unausbleib⸗ lich genöthigt werden mußte, ſich von der Empfindung und Anſchauung abzuſondern und nach Deutlichkeit der Erkenntniß zu ſtreben; auch nicht höher ſteigen, weil nur ein beſtimmter Grad von Klarheit mit einer beſtimmten Fülle und Wärme zuſammen beſtehen kann. Die Griechen hatten dieſen Grad erreicht, und, wenn ſie zu einer höhern Ausbildung fort⸗ ſchreiten wollten, ſo mußten ſie, wie wir, die Totalität ihres Weſens aufgeben und die Wahrheit auf getrennten Bahnen verfolgen.

Die mannigfaltigen Anlagen im Menſchen zu entwickeln, war kein anderes Mittel, als ſie einander entgegen zu ſetzen.