Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Dieſer Antagonism der Kräfte iſt das große Inſtrument der Cultur, aber auch nur das Inſtrument: denn, ſolange der⸗ ſelbe dauert, iſt man erſt auf dem Wege zu dieſer. Dadurch allein, daß in dem Menſchen einzelne Kräfte ſich iſoliren und einer ausſchließenden Geſetzgebung anmaßen, gerathen ſie in Widerſtreit mit der Wahrheit der Dinge und nöthigen den Gemeinſinn, der ſonſt mit träaͤger Genügſamkeit auf der äußern Erſcheinung ruht, in die Tiefen der Objecte zu drin⸗ gen. Indem der reine Verſtand eine Autoritat in der Sin⸗ nenwelt uſurpirt, und der empiriſche beſchäftigt iſt, ihn den Bedingungen der Erfahrung zu unterwerfen, bilden beide Anlagen ſich zu möglichſter Reife aus und erſchopfen den ganzen Umfang ihrer Sphare. Indem hier die Einbildungs⸗ kraft durch ihre Willkür die Weltordnung aufzulöſen wagt, nöthigt ſie dort die Vernunft, zu den oberſten Quellen der Erkenntniß zu ſteigen und das Geſetz der Nothwendigkeit gegen ſie zu Hulfe zu rufen.

Einſeitigkeit in Uebung der Kräfte führt zwar das In⸗ dividuum unausbleiblich zum Irrthum, aber die Gattung zur Wahrheit. Dadurch allein, daß wir die ganze Energie unſeres Geiſtes in einem Brennpunkt verſammeln und unſer ganzes Weſen in eine einzige Kraft zuſammenziehen, ſetzen wir dieſer einzelnen Kraft gleichſam Fluͤgel an und führen ſie küͤnſtlicher Weiſe weit über die Schranken hinaus, welche die Natur ihr geſetzt zu haben ſcheint. So gewiß es iſt, daß alle menſch⸗ liche Individuen zuſammen genommen mit der Sehkraft, welche die Natur ihnen ertheilt, nie dahin gekommen ſeyn würden, einen Trabanten des Jupiter auszuſphen, den der Teleſkop dem Aſtronomen entdeckt: eben ſo ausgemacht iſt es, daß die menſchliche Denkkraft niemals eine Analyſis des Unendlichen oder eine Kritik der reinen Vernunft wuͤrde