Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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einander feindſelig abzutheilen und ihre Markung zu beſtim⸗ men. Die Poeſie hatte noch nicht mit dem Witze gebuhlt, und die Speculation ſich noch nicht durch Spitzfindigkeit ge⸗ ſchändet. Beide konnten im Nothfall ihre Verrichtungen tauſchen, weil Jedes, nur auf ſeine eigene Weiſe, die Wahr⸗ heit ehrte. So hoch die Vernunft auch ſtieg, ſo zog ſie doch immer die Materie liebend nach, und, ſo fein und ſcharf ſie auch trennte, ſo verſtümmelte ſie doch nie. Sie zerlegte zwar die menſchliche Natur und warf ſie in ihrem herrlichen Götterkreis vergrößert auseinander, aber nicht dadurch, daß ſie ſie in Stücken riß, ſondern dadurch, daß ſie ſie verſchie⸗ dentlich miſchte, denn die ganze Menſchheit fehlte in keinem einzelnen Gott. Wie ganz anders bei uns Neuern! Auch bei uns iſt das Bild der Gattung in den Individuen ver⸗ größert auseinander geworfen aber in Bruchſtücken, nicht in veränderten Miſchungen, daß man von Individuum zu Individuum herumfragen muß, um die Totalität der Gattung zuſammenzuleſen. Bei uns, möchte man faſt verſucht werden zu behaupten, außern ſich die Gemüthskräfte auch in der Erfahrung ſo getrennt, wie der Pſychologe ſie in der Vor⸗ ſtellung ſcheidet, und wir ſehen nicht bloß einzelne Subjecte, ſondern ganze Klaſſen von Menſchen nur einen Theil ihrer Anlagen entfalten, wahrend die übrigen, wie bei verkrüppel⸗ ten Gewächſen, kaum mit matter Spur angedeutet ſind.

Ich verkenne nicht die Vorzüge, welche das gegenwaͤrtige Geſchlecht, als Einheit betrachtet und auf der Wage des Ver⸗ ſtandes, vor dem beſten in der Vorwelt behaupten mag; aber in geſchloſſenen Gliedern muß es den Wettkampf beginnen, und das Ganze mit dem Ganzen ſich meſſen. Welcher ein⸗ zelne Neuere tritt heraus, Mann gegen Mann, mit dem ein⸗ zelnen Athenienſer um den Preis der Menſchheit zu ſtreiten?