Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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In den niedern und zahlreichen Klaſſen ſtellen ſich uns rohe, geſetzloſe Triebe dar, die ſich nach aufgelöstem Band der bürgerlichen Ordnung entfeſſeln und mit unlenkſamer Wuth zu ihrer thieriſchen Befriedigung eilen. Es mag alſo ſeyn, daß die objective Menſchheit Urſache gehabt hätte, ſich über den Staat zu beklagen; die ſubjective muß ſeine Anſtal⸗ ten ehren. Darf man ihn tadeln, daß er die Würde der menſchlichen Natur aus den Augen ſetzte, ſolang es noch galt, ihre Exiſtenz zu vertheidigen? daß er eilte, durch die Schwerkraft zu ſcheiden und durch die Cohaͤſionskraft zu binden, wo an die bildende noch nicht zu denken war? Seine Auf⸗ löſung enthält ſeine Rechtfertigung. Die losgebundene Ge⸗ ſellſchaft, anſtatt aufwärts in das organiſche Leben zu eilen, fällt in das Elementarreich zurück.

Auf der andern Seite geben uns die civiliſirten Klaſſen den noch widrigern Anblick der Schlaffheit und einer Depra⸗ vation des Charakters, die deſto mehr empört, weil die Cultur ſelbſt ihre Quelle iſt. Ich erinnere mich nicht mehr, welcher alte oder neue Philoſoph die Bemerkung machte, daß das Eblere in ſeiner Zerſtörung das Abſcheulichere ſey; aber man wird ſie auch im Moraliſchen wahr finden. Aus dem Natur⸗ ſohne wird, wenn er ausſchweift, ein Raſender; aus dem Zögling der Kunſt ein Nichtswürdiger. Die Aufklärung des Verſtandes, deren ſich die verfeinerten Stände nicht ganz mit Unrecht ruhmen, zeigt im Ganzen ſo wenig einen veredelnden Einfluß auf die Geſinnungen, daß ſie vielmehr die Verderbniß durch Maximen befeſtigt. Wir verleugnen die Natur auf ihrem rechtmäßigen Felde, um auf dem mo⸗ raliſchen ihre Tyrannei zu erfahren, und, indem wir ihren Eindrücken widerſtreben, nehmen wir unſere Grundſätze von ihr an. Die affectirte Decenz unſerer Sitten verweigert ihr