Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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gewordenen Volks, ſeinen Naturſtaat in einen ſittlichen um⸗ zuformen. 3

Dieſer Naturſtaat(wie jeder politiſche Körper heißen kann, der ſeine Einrichtung urſpruͤnglich von Kräften, nicht von Geſetzen ableitet) widerſpricht nun zwar dem moraliſchen Menſchen, dem die bloße Geſetzmaßigkeit zum Geſetz dienen ſoll; aber er iſt doch gerade hinreichend für den phyſiſchen Menſchen, der ſich nur darum Geſetze gibt, um ſich mit Kräften abzufinden. Nun iſt aber der phyſiſche Menſch wirk⸗ lich, und der ſittliche nur problematiſch. Hebt alſo die Vernunft den Naturſtaat auf, wie ſie nothwendig muß, wenn ſie den ihrigen an die Stelle ſetzen will, ſo wagt ſie den phyſiſchen und wirklichen Menſchen an den problematiſchen ſittlichen, ſo wagt ſie die Erxiſtenz der Geſellſchaft an ein bloß mögliches(wenn gleich moraliſch nothwendiges) Ideal von Ge⸗ ſellſchaft. Sie nimmt dem Menſchen etwas, das er wirklich beſitzt, und ohne welches er nichts beſitzt, und weist ihn dafur an etwas an, das er beſitzen könnte und ſollte; und, hätte ſie zuviel auf ihn gerechnet, ſo wurde ſie ihm fur eine Menſchheit, die ihm noch mangelt und unbeſchadet ſeiner Eriſtenz mangeln kann, auch ſelbſt die Mittel zur Thierheit entriſſen haben, die doch die Bedingung ſeiner Menſchheit iſt. Ehe er Zeit gehabt hatte, ſich mit ſeinem Willen an dem Geſetze feſt zu halten, hätte ſie unter ſeinen Füßen die Leiter der Natur weggezogen.

Das große Bedenken alſo iſt, daß die phyſiſche Geſell⸗ ſchaft in der Zeit keinen Augenblick aufhören darf, indem die moraliſche in der Idee ſich bildet, daß um der Würde des Menſchen willen ſeine Eriſtenz nicht in Gefahr gerathen darf. Wenn der Künſtler an einem Uhrwerk zu beſſern hat, ſo läßt er die Rader ablaufen; aber das lebendige Uhrwerk