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ehe er in ſeiner Freiheit dieſen Stand wahlen konnte; die Noth richtete denſelben nach bloßen Naturgeſetzen ein, ehe er es nach Vernunftgeſetzen konnte. Aber mit dieſem Nothſtaat, der nur aus ſeiner Naturbeſtimmung hervorgegangen und auch nur auf dieſe berechnet war, konnte und kann er als moraliſche Perſon nicht zufrieden ſeyn— und ſchlimm füur ihn, wenn er es könnte! Er verläßt alſo, mit demſelben Rechte, womit er Menſch iſt, die Herrſchaft einer blinden Nothwendigkeit, wie er in ſo vielen andern Stücken durch ſeine Freiheit von ihr ſcheidet, wie er, um nur ein Beiſpiel zu geben, den gemeinen Charakter, den das Bedürfniß der Geſchlechtsliebe aufdrückte, durch Sittlichkeit auslöſcht und durch Schönheit veredelt. So holt er, auf eine künſtliche Weiſe, in ſeiner Volljahrigkeit ſeine Kindheit nach, bildet ſich einen Naturſtand in der Idee, der ihm zwar durch keine Erfahrung gegeben, aber durch ſeine Vernunftbeſtim⸗ mung nothwendig geſetzt iſt, leiht ſich in dieſem idealiſchen Stand einen Endzweck, den er in ſeinem wirklichen Natur⸗ ſtand nicht kannte, und eine Wahl, deren er damals nicht fähig war, und verfährt nun nicht anders, als ob er von Vorn anfinge und den Stand der Unabhaͤngigkeit aus heller Einſicht und freiem Entſchluß mit dem Stande der Verträͤge vertauſchte. Wie kunſtreich und feſt auch die blinde Willkür ihr Werk gegründet haben, wie anmaßend ſie es auch behaup⸗ ten und mit welchem Scheine von Ehrwürdigkeit es umgeben mag— er darf es, bei dieſer Operation, als völlig unge⸗ ſchehen betrachten: denn das Werk blinder Kraͤfte beſitzt keine Autorität, vor welcher die Freiheit ſich zu beugen brauchte, und Alles muß ſich dem höchſten Endzwecke fügen, den die Vernunft in ſeiner Perſönlichkeit aufſtellt. Auf dieſe Art entſteht und rechtfertigt ſich der Verſuch eines mündig


