Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Standorts und bei dem weiten Abſtand, den die Verhaͤltniſſe in der wirklichen Welt noͤthig machen, Ihrem vorurtheilfreien Geiſt auf dem Felde der Ideen in dem naͤmlichen Reſultat zu begegnen! Daß ich dieſer reizenden Verſuchung widerſtehe und die Schoͤnheit der Freiheit vorangehen laſſe, glaube ich nicht bloß mit meiner Neigung entſchuldigen, ſondern durch Grundſätze rechtfertigen zu können. Ich hoffe, Sie zu über⸗ zeugen, daß dieſe Materie weit weniger dem Beduͤrfniß als dem Geſchmack des Zeitalters fremd iſt; ja, daß man, um jenes politiſche Problem in der Erfahrung zu löſen, durch das aſthetiſche den Weg nehmen muß, weil es die Schönheit iſt, durch welche man zu der Freiheit wandert. Aber dieſer Beweis kann nicht geführt werden, ohne daß ich Ihnen die Grundſätze in Erinnerung bringe, durch welche ſich die Ver⸗ nunft überhaupt bei einer politiſchen Geſetzgebung leitet.

Dritter Brief.

Die Natur faͤngt mit dem Menſchen nicht beſſer an als mit ihren uͤbrigen Werken: ſie handelt für ihn, wo er als freie Intelligenz noch nicht ſelbſt handeln kann. Aber eben Das macht ihn zum Menſchen, daß er bei Dem nicht ſtille ſteht, was die bloße Natur aus ihm machte, ſondern die Fahigkeit beſitzt, die Schritte, welche jene mit ihm antici⸗ pirte, durch Vernunft wieder rückwärts zu thun, das Werk der Noth in ein Werk ſeiner freien Wahl umzuſchaffen und die phyſiſche Nothwendigkeit zu einer moraliſchen zu erheben.

Er kommt zu ſich aus einem ſinnlichen Schlummer, er⸗ kennt ſich als Menſch, blickt um ſich her und findet ſich in dem Staate. Der Zwang der Bedürfniſſe warf ihn hinein,