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Selbſt der philoſophiſche Unterſuchungsgeiſt entreißt der Ein⸗ bildungskraft eine Provinz nach der andern, und die Graͤnzen der Kunſt verengen ſich, je mehr die Wiſſenſchaft ihre Schran⸗ ken erweitert.
Erwartungsvoll ſind die Blicke des Philoſophen wie des Weltmanns auf den politiſchen Schauplatz geheftet, wo jetzt, wie man glaubt, das große Schickſal der Menſchheit verhan⸗ delt wird. Verraͤth es nicht eine tadelnswerthe Gleichgultig⸗ keit gegen das Wohl der Geſellſchaft, dieſes allgemeine Ge⸗ ſprach nicht zu theilen? So nahe dieſer große Rechtshandel, ſeines Inhalts und ſeiner Folgen wegen, Jeden, der ſich Menſch nennt, angeht, ſo ſehr muß er, ſeiner Verhandlungs⸗ art wegen, jeden Selbſtdenker insbeſondere intereſſiren. Eine Frage, welche ſonſt nur durch das blinde Recht des Stärkern beantwortet wurde, iſt nun, wie es ſcheint, vor dem Richter⸗ ſtuhle reiner Vernunft anhängig gemacht, und, wer nur immer fähig iſt, ſich in das Centrum des Ganzen zu ver⸗ ſetzen und ſein Individuum zur Gattung zu ſteigern, darf ſich als einen Beiſitzer jenes Vernunftgerichts betrachten, ſo wie er als Menſch und Weltbuͤrger zugleich Partei iſt und näher oder entfernter in den Erfolg ſich verwickelt ſieht. Es iſt alſo nicht bloß ſeine eigene Sache, die in dieſem großen Rechtshandel zur Entſcheidung kommt; es ſoll auch nach Ge⸗ ſetzen geſprochen werden, die er als vernünftiger Geiſt ſelbſt zu dictiren fahig und berechtigt iſt.
Wie anziehend müßte es für mich ſeyn, einen ſolchen Gegenſtand mit einem eben ſo geiſtreichen Denker als libera⸗ len Weltbuͤrger in Unterſuchung zu nehmen und einem Her⸗ zen, das mit ſchönem Enthuſiasmus dem Wohl der Menſch⸗ heit ſich weiht, die Entſcheidung heimzuſtellen! wie angenehm überraſchend, bei einer noch ſo großen Verſchiedenheit des


