3
Menſchen zum Vormund ſetzte, bis die helle Einſicht ihn mündig macht. Aber eben dieſe techniſche Form, welche die Wahrheit dem Verſtande verſichtbart, verbirgt ſie wieder dem Gefühl: denn leider muß der Verſtand das Object des in⸗ nern Sinnes erſt zerſtören, wenn er es ſich zu eigen machen will. Wie der Scheidekünſtler, ſo findet auch der Philoſoph nur durch Aufloſung die Verbindung und nur durch die Mar⸗ ter der Kunſt das Werk der freiwilligen Natur. Um die flüchtige Erſcheinung zu haſchen, muß er ſie in die Feſſeln der Regel ſchlagen, ihren ſchönen Körper in Begriffe zer⸗ fleiſchen und in einem dürftigen Wortgerippe ihren lebendigen Geiſt aufbewahren. Iſt es ein Wunder, wenn ſich das na⸗ türliche Gefuhl in einem ſolchen Abbild nicht wieder findet, und die Wahrheit in dem Berichte des Analyſten als ein Paradoxon erſcheint?
Laſſen Sie daher auch mir einige Nachſicht zu Statten kommen, wenn die nachfolgenden Unterſuchungen ihren Ge⸗ genſtand, indem ſie ihn dem Verſtande zu näͤhern ſuchen, den Sinnen entrucken ſollten. Was dort von moraliſchen Erfahrungen gilt, muß in einem noch höhern Grade von der Erſcheinung der Schönheit gelten. Die ganze Magie derſel⸗ ben beruht auf ihrem Geheimniß, und mit dem nothwendigen Bund ihrer Elemente iſt auch ihr Weſen aufgehoben.
—.——
83 Zweiter Brief.
Aber ſollte ich von der Fretheit, die mir von Ihnen ver⸗ ſtattet wird, nicht vielleicht einen beſſern Gebrauch machen können, als Ihre Aufmerkſamkeit auf dem Schauplatz der ſchönen Kunſt zu beſchäaftigen? Iſt es nicht wenigſtens außer


