Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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coration zur andern hinuͤber huͤpfen laͤßt. Sie legt, indem ſie ſich verwandelt, ihre harmoniſche Einheit nicht ab; in beſchei⸗ dener Einfalt verbirgt ſie ihre Fuͤlle, und auch in der uͤppigſten Freiheit ſehen wir ſie das Geſetz der Stetigkeit ehren. 5)

Zu den objectiven Bedingungen des Mathematiſch⸗Erhabenen gehoͤrt fuͤrs erſte, daß der Gegenſtand, den wir dafuͤr erkennen ſollen, ein Ganzes ausmache und alſo Einheit zeige; fuͤrs zweite, daß er uns das hoͤchſte ſinnliche Maß, womit wir alle Groͤßen zu meſſen pflegen, voͤllig unbrauchbar mache. Ohne das Erſte wuͤrde die Einbildungskraft gar nicht aufgefordert wer⸗ den, eine Darſtellung ſeiner Totalitaͤt zu verſuchen; ohne das Zweite wuͤrde ihr dieſer Verſuch nicht verungluͤcken koͤnnen.

Der Horizont uͤbertrifft jede Groͤße, die uns irgend vor Augen kommen kann, denn alle Raumgroͤßen muͤſſen ja in dem⸗ ſelben liegen. Nichtsdeſtoweniger bemerken wir, daß oft ein einziger Berg, der ſich darin erhebt, uns einen weit ſtaͤrkern Eindruck des Erhabenen zu geben im Stande iſt, als der ganze Geſichtskreis, der nicht nur dieſen Berg, ſondern noch tauſend andere Groͤßen in ſich faßt. Das kommt daher, weil uns der Horizont nicht als ein einziges Object erſcheint, und wir alſo nicht eingeladen werden, ihn in ein Ganzes der Darſtellung zu⸗ ſammen zu faſſen. Entfernt man aber aus dem Horizont alle

*) Die Gartenkunſt und die dramatiſche Dichtkunſt haben in neueren Zeiten ziemlich dasſelbe Schickſal, und zwar bei denſelben Natio⸗ nen gehabt. Dieſelbe Tyrannei der Regel in den franzoͤſiſchen Gaͤr⸗ ten und in den frandͤſiſchen Tragoͤdien; dieſelbe bunte und wilde Regelloſigkeit in den Parks der Englaͤnder und in ihrem Shak⸗ ſpeare; und ſo wie der deutſche Geſchmack von jeher das Geſetz von den Auslaͤndern empfangen, ſo mußte er auch in dieſem Stuͤck zwiſchen jenen beiden Extremen hin⸗ und herſchwanken.