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der Wilde im Schooß der erhabenſten Natur und mitten unter den Symbolen des Unendlichen wohnen kann, ohne dadurch aus ſeinem thieriſchen Schlummer geweckt zu werden, ohne auch nur von weitem den großen Naturgeiſt zu ahnen, der aus dem Sinnlich⸗Unermeßlichen zu einer fuͤhlenden Seele ſpricht. Was der rohe Wilde mit dummer Gefuͤhlloſigkeit anſtarrt, das flieht der entnervte Weichling als einen Gegenſtand des Grauens, der ihm nicht ſeine Kraft, nur ſeine Ohnmacht zeigt. Sein enges Herz fuͤhlt ſich von großen Vorſtellungen peinlich auseinander geſpannt. Seine Phantaſie iſt zwar reizbar genug, ſich an der Darſtellung des Sinnlich⸗Unendlichen zu verſuchen, aber ſeine Vernunft nicht ſelbſtſtaͤndig genug, dieſes Unterneh⸗ men mit Erfolg zu endigen. Er will es erklimmen, aber auf halbem Wege ſinkt er ermattet hin. Er kaͤmpft mit dem furchtbaren Genius, aber nur mit irdiſchen, nicht mit unſterb⸗ lichen Waffen. Dieſer Schwaͤche ſich bewußt, entzieht er ſich lie⸗ ber einem Anblick, der ihn niederſchlaͤgt, und ſucht Huͤlfe bei der Troͤſterin aller Schwachen, der Regel. Kann er ſich ſelbſt nicht aufrichten zu dem Großen der Natur, ſo muß die Natur zu ſeiner kleinen Faſſungskraft herunterſteigen. Ihre kuͤhnen Formen muß ſie mit kuͤnſtlichen vertauſchen, die ihr fremd, aber ſeinem verzaͤrtelten Sinne Beduͤrfniß ſind. Ihren Willen muß ſie ſeinem eiſernen Joch unterwerfen, und in die Feſſeln mathematiſcher Regelmaͤßigkeit ſich ſchmiegen. So ent⸗ ſteht der ehemalige franzoͤſiſche Geſchmack in Gaͤrten, der end⸗ lich faſt allgemein dem engliſchen gewichen iſt, aber ohne dadurch dem wahren Geſchmack merklich naͤher zu kommen. Denn der Charakter der Natur iſt eben ſo wenig bloße Mannichfaltigkeit als Einfoͤrmigkeit. Ihr geſetzter, ruhiger Ernſt vertraͤgt ſich eben ſo wenig mit dieſen ſchnellen und leichtſinnigen Uebergaͤngen, mit welchen man ſie in dem neuen Gartengeſchmack von einer De⸗


