Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

483

fuͤr uns haben. Selbſt bis zu den Thieren herab gilt dieſe Bemerkung. Ein Stier am Pfluge, ein Pferd am Karren, ein Hund ſind gemeine Gegenſtaͤnde; reizen wir aber den Stier zum Kampfe, ſetzen wir das ruhige Pferd in Wuth, oder ſehen wir einen wuͤthenden Hund, ſo erheben ſich dieſe Thiere zu aͤſthetiſchen Gegenſtaͤnden, und wir fangen an, ſie mit einem Gefuͤhle zu betrachten, das an Vergnuͤgen und Achtung graͤnzt. Der allen Menſchen gemeinſchaftliche Hang zum Leidenſchaftlichen, die Macht der ſympathetiſchen Gefuͤhle, die uns in der Natur zum Anblick[des Leidens, des Schreckens, des Entſetzens hintreibt, die in der Kunſt ſo viel Reiz fuͤr uns hat, die uns in das Schauſpielhaus lockt, die uns an den Schilderungen großer Ungluͤcksfaͤlle ſo viel Ge⸗ ſchmack ſinden laͤßt— alles dieß beweist fuͤr eine vierte Quelle von Luſt, die weder das Angenehme, noch das Gute, noch das Schoͤne zu erzeugen im Stande ſind.

Alle bisher angefuͤhrten Beiſpiele haben etwas Objectives in der Empfindung, die ſie bei uns erregen, mit einander gemein. In allen empfangen wir eine Vorſtellung von etwas, „das entweder unſere ſinnliche Faſſungskraft oder unſere ſinnliche „Widerſtehungskraft uͤberſ chreitet, oder zu uͤberſchreiten „droht,“ jedoch ohne dieſe Ueberlegenheit bis zur Unterdruͤckung jener beiden Kraͤfte zu treiben, und ohne die Beſtrebung zum Er⸗ kenntniß oder zum Widerſtand in uns niederzuſchlagen. Ein Mannichfaltiges wird uns dort gegeben, welches in Einheit zuſam⸗ men zu faſſen unſer anſchauendes Vermoͤgen bis an ſeine Graͤnzen treibt. Eine Kraft wird uns hier vorgeſtellt, gegen welche die unſrige verſchwindet, die wir aber doch damit zu vergleichen genothigt werden. Entweder iſt es ein Gegenſtand, der ſich unſerm Anſchauungsvermoͤgen zugleich darbietet und entzieht, und das Beſtreben zur Vorſtellung weckt, ohne es Befriedigung