Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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Es gibt in der griechiſchen Fabellehre kein fuͤrchterlicheres und zugleich haͤßlicheres Bild als die Furien oder Erinnyen, wenn ſie aus dem Orcus hervorſteigen, einen Verbrecher zu ver⸗ folgen. Ein ſcheußlich verzerrtes Geſicht, hagere Figuren, ein Kopf, der ſtatt der Haare mit Schlangen bedeckt iſt, empoͤren unſere Sinne eben ſo ſehr, als ſie unſern Geſchmack beleidigen. Wenn aber dieſe Ungeheuer vorgeſtellt werden, wie ſie den Muttermoͤrder Oreſtes verfolgen, wie ſie die Fackel in ihren Haͤnden ſchwingen und ihn raſtlos von einem Orte zum andern jagen, bis ſie endlich, wenn die zuͤrnende Gerechtigkeit verſoͤhnt iſt, in den Abgrund der Hoͤlle verſchwinden, ſo verweilen wir mit einem angenehmen Grauſen bei dieſer Vorſtellung. Aber nicht bloß die Gewiſſensangſt eines Verbrechers, welche durch die Furien verſinnlicht wird, ſelbſt ſeine pflichtwidrigen Hand⸗ lungen, der wirkliche Actus eines Verbrechers, kann uns in der Darſtellung gefallen. Die Medea des griechiſchen Trauerſpiels Klytemneſtra, die ihren Gemahl ermordet, Oreſt, der ſeine Mutter toͤdtet, erfuͤllen unſer Gemuͤth mit einer ſchauerlichen Luſt. Selbſt im gemeinen Leben entdecken wir, daß uns gleich⸗ guͤltige, ja ſelbſt widrige und abſchreckende Gegenſtaͤnde zu in⸗ tereſſiren anfangen, ſobald ſie ſich entweder dem Ungeheuren oder dem Schrecklichen naͤhern. Ein ganz gemeiner und un⸗ bedeutender Menſch faͤngt an, uns zu gefallen, ſobald eine hef⸗ tige Leidenſchaft, die ſeinen Werth nicht im Geringſten erhoͤht, ihn zu einem Gegenſtand der Furcht und des Schreckens macht; ſo wie ein gemeiner, nichts ſagender Gegenſtand fuͤr uns eine Quelle der Luſt wird, ſobald wir ihn ſo vergroͤßern, daß er unſer Faſſungsvermoͤgen zu uͤberſchreiten droht. Ein haͤßlicher Menſch wird noch haͤßlicher durch den Zorn, und doch kann er im Ausbruch dieſer Leidenſchaft, ſobald ſie nicht ins Laͤcherliche, ſondern ins Furchtbare verfaͤllt, gerade noch den meiſten Reiz