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ſem Berg eine ſolche Neigung, daß es ausſieht, als wenn er alle Augenblicke herabſtuͤrzen wollte, ſo wird das vorige Gefuͤhl ſich mit einem andern vermiſchen; Schrecken wird ſich damit verbinden, aber der Gegenſtand ſelbſt wird nur deſto anziehen⸗ der ſeyn. Geſetzt aber, man koͤnnte dieſen ſich neigenden Berg durch einen andern unterſtuͤtzen, ſo wuͤrde ſich der Schrecken und mit ihm ein großer Theil unſers Wohlgefallens verlieren. Geſetzt ferner, man ſtellte dicht an dieſen Berg vier bis fuͤnf andere, davon jeder um den vierten oder fuͤnften Theil niedri⸗ ger waͤre als der zunaͤchſt auf ihn folgende, ſo wuͤrde das erſte Gefuͤhl, das uns ſeine Groͤße einfloͤßte, merklich geſchwaͤcht wer⸗ den— etwas Aehnliches wuͤrde geſchehen, wenn man den Berg ſelbſt in zehn oder zwoͤlf gleichfoͤrmige Abſäͤtze theilte; auch wenn man ihn durch kuͤnſtliche Anlagen verzierte. Mit dieſem Berge haben wir nun anfangs keine andere Operation vorgenommen, als daß wir ihn, ganz wie er war, ohne ſeine Form zu ver⸗ aͤndern, groͤßer machten, und durch dieſen einzigen Umſtand wurde er aus einem gleichguͤltigen, ja ſogar widerwaͤrtigen Ge⸗ genſtand in einen Gegenſtand des Wohlgefallens verwandelt. Bei der zweiten Operation haben wir dieſen großen Gegenſtand zugleich in ein Object des Schreckens verwandelt, und dadurch das Wohlgefallen an ſeinem Anblick vermehrt. Bei den uͤbrigen damit vorgenommenen Operationen haben wir das Schrecken⸗ erregende ſeines Anblicks vermindert, und dadurch das Ver⸗ gnuͤgen geſchwaͤcht. Wir haben die Vorſtellung ſeiner Groͤße ſubjectiv verringert, theils dadurch, daß wir die Aufmerk⸗ ſamkeit des Auges zertheilten, theils dadurch, daß wir demſelben in den daneben geſtellten kleinern Bergen ein Maß verſchaff⸗ ten, womit es die Groͤße des Berges deſto leichter beherrſchen konnte. Groͤße und Schreckbarkeit koͤnnen alſo in gewiſ⸗ ſen Fäͤllen fuͤr ſich allein eine Quelle von Vergnuͤgen abgeben. Schillers ſaͤmmtl. Werke. XI. 314


