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in der Abendroͤthe. Die reiche Mannichfaltigkeit und der milde Umriß der Geſtalten, das unendlich wechſelnde Spiel des Lichts, der leichte Flor, der die fernen Objecte umkleidet— Alles wirkt zuſammen, unſere Sinne zu ergotzen. Das ſanfte Geraͤuſch eines Waſſerfalls, das Schlagen der Nachtigallen, eine ange⸗ nehme Muſik ſoln dazu kommen, unſer Vergnuͤgen zu vermeh⸗ ren. Wir ſind aufgeloͤst in ſuͤße Empfindungen von Ruhe, und indem unſere Sinne von der Harmonie der Farben, der
Geſtalten und Toͤne auf das angenehmſte geruͤhrt werden, er⸗ goͤtzt ſich das Gemuth an einem leichten und geiſtreichen Ideen⸗ gang und das Herz an einem Strom von Gefuͤhlen.
Auf einmal erhebt ſich ein Sturm, der den Himmel und die ganze Landſchaft verfinſtert, der alle andern Toͤne uͤberſtimmt oder ſchweigen macht, und uns alle jene Vergnuͤgungen ploͤtzlich raubt. Pechſchwarze Wolken umziehen den Horizont, betaͤubende Donnerſchlaͤge fallen nieder, Blitz folgt auf Blitz, und unſer Geſicht wie unſer Gehoͤr wird auf das widrigſte geruͤhrt. Der Blitz leuch⸗ tet nur, um uns das Schreckliche der Nacht deſto ſichtbarer zu machen; wir ſehen, wie er einſchlaͤgt, ja wir fangen an zu fuͤrchten, daß er auch uns treffen moͤchte. Nichtsdeſtoweniger werden wir glauben, bei dem Tauſch eher gewonnen als verlo⸗ ren zu haben, diejenigen Perſonen ausgenommen, denen die Furcht alle Freiheit des Urtheils raubt. Wir werden von die⸗ ſem furchtbaren Schauſpiel, das unſere Sinne zuruͤckſtoͤßt, von einer Seite mir Macht angezogen, und verweilen uns bei dem⸗ ſelben mit einem Gefuͤhl, das man zwar nicht eigentliche Luſt nennen kann, aber der Luſt oft weit vorzieht. Nun iſt aber dieſes Schauſpiel der Natur eher verderblich als gut(we⸗ nigſtens hat man gar nicht noöͤthig an die Nutzbarkeit eines Ge⸗ wirters zu denken, um an dieſer Naturerſcheinung Gefallen zu finden), es iſt eher haͤßlich als ſchoͤn, denn Finſterniß kann als


