Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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theoretiſchen Vernunft vollkommen zuſammenſtimmen, und doch der praktiſchen im hoͤchſten Grad widerſprechend ſeyn. Wir koͤn⸗ nen den Zweck einer Unternehmung mißbilligen, und doch die Zweckmaͤßigkeit in derſelben bewundern. Wir koͤnnen die Genuͤſſe verachten, die der Wolluͤſtling zum Ziel ſeines Lebens macht, und doch ſeine Klugheit in der Wahl der Mittel und die Conſequenz ſeiner Grundſaͤtze loben. Was uns bloß durch ſeine Form gefaͤllt, iſt gut, und es iſt abſolut und ohne Bedingung gut, wenn ſeine Form zugleich auch ſein Inhalt iſt. Auch das Gute iſt ein Object der Empfindung, aber keiner unmittelbaren, wie das Angenehme, und auch keiner gemiſchten, wie das Schoͤne. Es erregt nicht Begierde, wie das erſte, und nicht Neigung, wie das zweite. Die reine Vorſtellung des Guten kann nur Achtung einfloͤßen.

Nach Feſtſetzung des Unterſchiedes zwiſchen dem Angenehmen, dem Guten und dem Schoͤnen leuchtet ein, daß ein Gegenſtand haͤßlich, unvollkommen, ja ſogar moraliſch verwerflich und doch angenehm ſeyn, doch den Sinnen gefallen koͤnne; daß ein Ge⸗ genſtand die Sinne empoͤren und doch gut ſeyn, doch der Ver⸗ nunft gefallen koͤnne; daß ein Gegenſtand ſeinem innern Weſen nach das moraliſche Gefuͤhl empoͤren und doch in der Betrach⸗ tung gefallen, doch ſchoͤn ſeyn koͤnne. Die Urſache iſt, weil bei allen dieſen verſchiedenen Vorſtellungen ein anderes Vermoͤgen des Gemuͤths und auf eine andere Art intereſſirt iſt.

Aber hiermit iſt die Claſſification der aͤſthetiſchen Praͤdicate noch nicht erſchoͤpft; denn es gibt Gegenſtaͤnde, die zugleich haͤßlich, den Sinnen widrig und ſchrecklich, unbefriedigend fuͤr den Verſtand und in der moraliſchen Schaͤtzung gleichguͤltig ſind, und die doch gefallen, ja, die in ſo hohem Grad gefallen, daß wir gern das Vergnuͤgen der Sinne und des Verſtandes auf⸗ opfern, um uns den Genuß derſelben zu verſchaffen.

Nichts iſt reizender in der Natur als eine ſchoͤne Landſchaft