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von ſeiner Dichterpflicht losſprechen, nie einer Uebertretung der poetiſchen Wahrheit, nie einem Mangel des Intereſſes zur Ent⸗ ſchuldigung gereichen. Es verraͤth daher ſehr beſchraͤnkte Be⸗ griffe von der tragiſchen Kunſt, ja von der Dichtkunſt über⸗ haupt, den Tragoͤdiendichter vor das Tribunal der Geſchichte zu ziehen, und unterricht von demjenigen zu fordern, der ſich ſchon vermoͤge ſeines Namens bloß zu Ruͤhrung und Ergoͤtzung verbindlich macht. Sogar dann, wenn ſich der Dichter ſelbſt durch eine aͤngſtliche Unterwurfigkeit gegen hiſtoriſche Wahrheit ſeines Kuͤnſtlervorrechts begeben, und der Geſchichte eine Ge⸗ richtsbarkeit uͤber ſein Product ſtillſchweigend eingeraͤumt haben ſollte, fordert die Kunſt ihn mit allem Rechte vor ihren Richter⸗ ſtuhl, und ein Tod Hermanns, eine Minona, ein Fuſt von Stromberg wuͤrden, wenn ſie hier die Prüfung nicht aushielten, bei noch ſo puͤnktlicher Befolgung des Coſtume's, des Volks⸗ und des Zeitcharakters mittelmaͤßige Tragoͤdien heißen.
Die Tragoͤdie iſt fuͤnftens Nachahmung einer Handlung, welche uns Menſchen im Zuſtand des Leidens zeigt. Der Ausdruck„Menſchen“ iſt hier nichts weniger als muͤßig, und dient dazu, die Graͤnzen genau zu bezeichnen, in welche die Tragoͤdie in der Wahl ihrer Gegenſtaͤnde eingeſchraͤnkt iſt. Nur das Leiden ſinnlich moraliſcher Weſen, dergleichen wie wir ſelbſt ſind, kann unſer Mitleid erwecken. Weſen alſo, die ſich von aller Sittlichkeit losſprechen, wie ſich der Aberglaube des Volks, oder die Einbildungskraft der Dichter die boͤſen Daͤmonen malt, und Menſchen, welche ihnen gleichen,— Weſen ferner, die von dem Zwange der Sinnlichkeit befreit ſind, wie wir uns die reinen Intelligenzen denken, und Menſchen, die ſich in hoͤherm Grade, als die menſchliche Schwachheit erlaubt, dieſem Zwange entzogen haben, ſind gleich untauglich fuͤr die Tragoͤdie. Ueber⸗ haupt beſtimmt ſchon der Begriff des Leidens, und eines Lei⸗


