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gen Handlung), welche uns Menſchen in einem Zuſtand des Leidens zeigt, und zur Abſicht hat, unſer Mitleid zu erregen.
Sie iſt erſtlich— Nachahmung einer Handlung. Der Be⸗ griff der Nachahmung unterſcheidet ſie von den uͤbrigen Gat⸗ tungen der Dichtkunſt, welche bloß erzaͤhlen oder beſchreiben. In Tragoͤdien werden die einzelnen Begebenheiten im Augen⸗ blick ihres Geſchehens, als gegenwaͤrtig, vor die Einbildungs⸗ kraft oder vor die Sinne geſtellt; unmittelbar, ohne Ein⸗ miſchung eines Dritten. Die Epopoͤe, der Roman, die ein⸗ fache Erzaͤhlung ruͤcken die Handlung, ſchon ihrer Form nach, in die Ferne, weil ſie zwiſchen den Leſer und die handelnden Perſonen den Erzaͤhler einſchieben. Das Entfernte, das Ver⸗ gangene ſchwaͤcht aber, wie bekannt iſt, den Eindruck und den theilnehmenden Affect; das Gegenwaͤrtige verſtaͤrkt ihn. Alle erzaͤhlenden Formen machen das Gegenwaͤrtige zum Vergangenen; alle dramatiſchen machen das Vergangene gegenwaͤrtig.
Die Tragoͤdie iſt zweitens Nachahmung einer Reihe von Begebenheiten, einer Handlung. Nicht bloß die Empfindungen und Affecte der tragiſchen Perſonen, ſondern die Begebenheiten, aus denen ſie entſprangen und auf deren Veranlaſſung ſie ſich aͤußern, ſtellt ſie nachahmend dar; dieß unterſcheidet ſie von den lyriſchen Dichtungsarten, welche zwar ebenfalls gewiſſe Zu⸗ ſtaͤnde des Gemuͤths poetiſch nachahmen, aber nicht Handlungen. Eine Elegie, ein Lied, eine Ode koͤnnen uns die gegenwaͤrtige, durch beſondere Umſtaͤnde bedingte Gemuͤthsbeſchaffenheit des Dichters(ſey es in ſeiner eigenen Perſon oder in idealiſcher) nachahmend vor Augen ſtellen, und inſofern ſind ſie zwar un⸗ ter dem Begriff der Tragoͤdie mit enthalten, aber ſie machen ihn noch nicht aus, weil ſie ſich bloß auf Darſtellungen von Gefuͤhlen einſchraͤnken. Noch weſentlichere Unterſchiede liegen in dem verſchiedenen Zweck dieſer Dichtungsarten.


