Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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Zuſammenhang und Umfang vor Augen liegen, ſo darf auch kein einziges Glied aus der Kette von Beſtimmungen fehlen, an welche ſich der letzte Entſchluß des Roͤmers als nothwendig anſchließt. Ueberhaupt iſt ſelbſt die Wahrheit einer Schilderung ohne dieſe Vollſtaͤndigkeit nicht erkennbar, denn nur die Aehn⸗ lichkeit der Umſtaͤnde, welche wir vollkommen einſehen muͤſſen, kann unſer Urtheil uͤber die Aehnlichkeit der Empfindungen rechtfertigen, weil nur aus der Vereinigung der aͤußern und innern Bedingungen der Affect entſpringt. Wenn entſchieden werden ſoll, ob wir wie Cato wuͤrden gehandelt haben, ſo muͤſ⸗ ſen wir uns vor allen Dingen in Cato's ganze aͤußere Lage hineindenken, und dann erſt ſind wir befugt, unſere Empfin⸗ dungen gegen die ſeinigen zu halten, einen Schluß auf die Aehnlichkeit zu machen und über die Wahrheit derſelben ein Urtheil zu faͤllen.

Dieſe Vollſtaͤndigkeit der Schilderung iſt nur durch Ver⸗ tnuͤpfung mehrerer einzelnen Vorſtellungen und Empfindungen möglich, die ſich gegen einander als Urſache und Wirkung ver⸗ halten und in ihrem Zuſammenhang ein Ganzes fuͤr unſere Er⸗ kenntniß ausmachen. Alle dieſe Vorſtellungen muͤſſen, wenn ſie uns lebhaft ruͤhren ſollen, einen unmittelbaren Eindruck auf unſre Sinnlichkeit machen, und, weil die erzaͤhlende Form jederzeit dieſen Eindruck ſchwaͤcht, durch eine gegenwaͤrtige Handlung veranlaßt werden. Zur Vollſtaͤndigkeit einer tragi⸗ ſchen Schilderung gehoͤrt alſo eine Reihe einzelner verſinnlich⸗ ter Handlungen, welche ſich zu der tragiſchen Handlung als zu einem Ganzen verbinden.

4) Fortdauernd endlich muͤſſen die Vorſtellungen des Leidens auf uns wirken, wenn ein hoher Grad von Ruͤhrung durch ſie erweckt werden ſoll. Der Affect, in welchen uns fremde Leiden verſetzen, iſt fuͤr uns ein Zuſtand des Zwanges, aus

Schillers ſaͤmmti. Werke. XI. 30