Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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der dramatiſche Dichter im Dialog vergißt, und der ſprechenden Perſon Betrachtungen in den Mund legt, die nur ein kalter Zuſchauer anſtellen konnte. Von dieſem Fehler durfte ſchwerlich eine unſerer neuern Tragoͤdien frei ſeyn, doch haben ihn die franzoͤſiſchen allein zur Regel erhoben. Unmittelbare lebendige Gegenwart und Verſinnlichung ſind alſo noͤthig, unſern Vor⸗ ſtellungen vom Leiden diejenige Staͤrke zu geben, die zu einem hohen Grade von Ruhrung erfordert wird.

2) Aber wir koͤnnen die lebhafteſten Eindruͤcke von einem Leiden erhalten, ohne doch zu einem merklichen Grad des Mit⸗ leids gebracht zu werden, wenn es dieſen Eindruͤcken an Wahr⸗ heit fehlt. Wir muͤſſen uns einen Begriff von dem Leiden ma⸗ chen, an dem wir Theil nehmen ſollen; dazu gehoͤrt eine Ueber⸗ einſtimmung desſelben mit etwas, was ſchon vorher in uns vorhanden iſt. Die Moͤglichkeit des Mitleids beruht naͤmlich auf der Wahrnehmung oder Vorausſetzung einer Aehnlichkeit zwiſchen uns und dem leidenden Subject. Ueberall, wo dieſe Aehnlichkeit ſich erkennen laͤßt, iſt das Mitleid nothwendig; wo ſie fehlt, unmoͤglich. Je ſichtbarer und groͤßer die Aehnlichkeit, deſto lebhafter unſer Mitleid; je geringer jene, deſto ſchwaͤcher auch dieſes. Es muͤſſen, wenn wir den Affect eines Andern ihm nachempfinden ſollen, alle inneren Bedingungen zu dieſem Affect in uns ſelbſt vorhanden ſeyn, damit die aͤußere Urſache, die durch ihre Vereinigung mit jenen dem Affect die Entſtehung gab, auch auf uns eine gleiche Wirkung aͤußern koͤnne. Wir muͤſſen, ohne uns Zwang anzuthun, die Perſon mit ihm zu wechſeln, unſer eigenes Ich ſeinem Zuſtande augenblicklich un⸗ terzuſchieben faͤhig ſeyn. Wie iſt es aber moͤglich, den Zuſtand eines Andern in uns zu empfinden, wenn wir nicht uns zuvor in dieſem Andern gefunden haben?

Dieſe Aehnlichteit geht auf die ganze Grundlage des Ge⸗