Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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und dem Vergnuͤgen an der traurigen Ruͤhrung im Wege ſtehen. Jetzt ſind die Bedingungen aufzuzaͤhlen, unter welchen das Mit⸗ leid befoͤrdert, und die Luſt der Ruͤhrung am unfehlbarſten und am ſtaͤrkſten erweckt wird.

Alles Mitleid ſetzt Vorſtellungen des Leidens voraus, und nach der Lebhaftigkeit, Wahrheit, Vollſtaͤndigkeit und Dauer der letztern richtet ſich auch der Grad der erſtern.

1) Je lebhafter die Vorſtellungen, deſto mehr wird das Ge⸗ muͤth zur Thaͤtigkeit eingeladen, deſto mehr wird ſeine Sinn⸗ lichkeit gereizt, deſto mehr alſo auch ſein ſittliches Vermoͤgen zum Widerſtand aufgefordert. Vorſtellungen des Leidens laſſen ſich aber auf zwei verſchiedenen Wegen erhalten, welche der Leb⸗ haftigkeit des Eindrucks nicht auf gleiche Art guͤnſtig ſind. Un⸗ gleich ſtaͤrker afficiren uns Leiden, von denen wir Zeugen ſind, als ſolche, die wir erſt durch Erzaͤhlung oder Beſchreibung er⸗ fahren. Jene heben das freie Spiel unſerer Einbildungskraft auf, und dringen, da ſie unſere Sinnlichkeit unmittelbar treffen, auf dem kuͤrzeſten Weg zu unſerm Herzen. Bei der Erzaͤhlung hingegen wird das Beſondere erſt zum Allgemeinen erhoben, und aus dieſem dann das Beſondere erkannt, alſo ſchon durch dieſe nothwendige Operation des Verſtandes dem Eindruck ſehr viel von ſeiner Staͤrke entzogen. Ein ſchwacher Eindruck aber wird ſich des Gemuͤths nicht ungetheilt bemaͤchtigen, und fremd⸗ artigen Vorſtellungen Raum geben, ſeine Wirkung zu ſtoͤren und die Aufmerkſamkeit zu zerſtreuen. Sehr oft verſetzt uns auch die erzaͤhlende Darſtellung aus dem Gemuͤthszuſtand der handelnden Perſonen in den des Erzaͤhlers, welches die zum Mitleid ſo nothwendige Taͤuſchung unterbricht. So oft der Erzaͤhler in eigner Perſon ſich vordringt, entſteht ein Stillſtand in der Handlung, und darum unvermeidlich auch in unſerm theilnehmenden Affect; dieß ereignet ſich ſelbſt dann, wenn ſich