Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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Beide alſo gewinnen unſere hoͤchſte Achtung, weil ſie auf Koſten der Neigung eine moraliſche Pflicht erfuͤllen; beide entflammen unſer Mitleid aufs hoͤchſte, weil ſie freiwillig und aus einem Beweggrund leiden, der ſie in hohem Grade achtungswuͤrdig macht. Hier alſo wird unſer Mitleid ſo wenig durch widrige Gefuͤhle geſtoͤrt, daß es vielmehr in doppelter Flamme auflodert; bloß die Unmoͤglichkeit, mit der hoͤchſten Wuͤrdigkeit zum Gluͤcke die Idee des Ungluͤcks zu vereinbaren, koͤnnte unſere ſympathe⸗ tiſche Luſt noch durch eine Wolke des Schmerzens truͤben. Wie viel auch ſchon dadurch gewonnen wird, daß unſer Unwille uͤber dieſe Zweck widrigkeit kein moraliſches Weſen betrifft, ſondern an den unſchaͤdlichſten Ort, auf die Nothwendigkeit abgeleitet wird, ſo iſt eine blinde Unterwuͤrfigkeit unter das Schickſal im⸗ mer demuͤthigend und kraͤnkend fuͤr freie ſich ſelbſt beſtimmende Weſen. Dieß iſt es, was uns auch in den vortrefflichſten Stuͤcken der griechiſchen Buͤhne etwas zu wuͤnſchen uͤbrig laͤßt, weil in allen dieſen Stuͤcken zuletzt an die Nothwendigkeit ap⸗ pellirt wird, und fuͤr unſere Vernunft fordernde Vernunft im⸗ mer ein unaufgeloͤster Knoten zuruͤckbleibt. Aber auf der hoͤchſten und letzten Stufe, welche der moraliſch gebildete Menſch er⸗ klimmt, und zu welcher die ruͤhrende Kunſt ſich erheben kann, loͤst ſich auch dieſer, und jeder Schatten von Unluſt verſchwindet mit ihm. Dieß geſchieht, wenn ſelbſt dieſe Unzufriedenheit mit dem Schickſal hinwes faͤllt, und ſich in die Ahnang oder lieber in ein deutliches Bewußtſeyn einer teleologichen Verknuͤpfung der Dinge, einer erhabenen Ordnung, eines guͤtigen Willens verliert. Dann geſellt ſich zu unſerm Vergnuͤgen an morali⸗ ſcher Uebereinſtimmung die erquickende Vorſtellung der voll⸗ kommenſten Zweckmaßigkeit im großen Ganzen der Natur, und die ſcheinbare Verletzung derſelben welche uns in dem einzelnen Falle Schmerzen erweckte, wird bloß ein Stachel fuͤr unſere

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