Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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Vernunft, in allgemeinen Geſetzen eine Rechtfertigung dieſes beſondern Falles aufzuſuchen, und den einzelnen Mißlaut in der großen Harmonie aufzuloͤſen. Zu dieſer reinen Hoͤhe tragi⸗ ſcher Ruͤhrung hat ſich die griechiſche Kunſt nie erhoben, weil weder die Volksreligion, noch ſelbſt die Philoſophie der Griechen ihnen ſo weit voranleuchtete. Der neuern Kunſt, welche den Vortheil genießt, von einer gelaͤuterten Philoſophie einen reinern Stoff zu empfangen, iſt es aufbehalten, auch dieſe hoͤchſte For⸗ derung zu erfuͤllen, und ſo die ganze moraliſche Wuͤrde der Kunſt zu entfalten. Muͤſſen wir Neuern wirklich darauf Ver⸗ zicht thun, griechiſche Kunſt je wieder herzuſtellen, wenn der philoſophiſche Genius des Zeitalters und die moderne Cultur uͤberhaupt der Poeſie nicht guͤnſtig ſind, ſo wirken ſie weniger nachtheilig auf die trasiſche Kunſt, welche mehr auf dem Sitt⸗ lichen ruht. Ihr allein erſ etzt vielleicht unſere Eultur den Raub, den ſie an der Kunſt uͤberhaupt veruͤbte.

So wie die tragiſche Ruͤhrung durch Einmiſchung widriger Vorſtellungen und Gefuͤhle geſchwaͤcht, und dadurch die Luſt an derſelben vermindert wird, ſo kann ſie im Gegentheil durch zu große Annaͤherung an den urſpruͤnglichen Affect zu einem Grade ausſchweifen, der den Schmerz uͤberwiegend macht. Es iſt bemerkt worden, daß die unluſt in Affecten von der Be⸗ ziehung ihres Gegenſtandes auf unſere Sinnlichkeit, ſo wie die Luſt an denſelben von der Beziehung des Affects ſelbſt auf unſere Sittlichkeit, ſeinen Urſprung nehme. Es wird alſo zwi⸗ ſchen Sinnlichkeit und Sittlichkeit ein beſtimmtes Verhaͤltniß vorausgeſetzt, welches das Verhaͤltniß der Unluſt zu der Luſt in traurigen Ruͤhrungen entſcheidet, und welches nicht veraͤndert oder umgekehrt werden kann, ohne zugleich die Gefuͤhle von Luſt und Unluſt bei Ruͤhrungen umzukehren, oder in ihr Gegentheil zu verwandeln. Je lebhafter die Sinnlichkeit in unſerm Ge⸗