Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

50

auf die Heiligkeit ſeiner Anfuͤhrer. Gewohnt, in noch kleinerer Anzahl zu ſiegen, greifen ſie unerſchrocken an, die Deutſchen werden niedergehauen, die Italiener zerſtreut, die heilige Perſon des Papſtes ſelbſt faͤllt in ihre ruchloſen Haͤnde. Mit tiefſter Ehrfurcht wird dem Statthalter Petri von ihnen begegnet, und nicht anders als knieend nahen ſie ſich ihm, aber der Reſpect ſeiner Ueberwinder kann ſeine Gefangenſchaft nicht verkuͤrzen. Der Einnahme Apuliens folgte bald die Unterwerfung Cala⸗ briens und des Gebietes von Capua. Die Politik des roͤmiſchen Hofes, welche nach mehreren mißlungenen Verſuchen dem Unter⸗ nehmen entſagte, die Normaͤnner aus ihren Beſitzungen zu ver⸗ jagen, verfiel endlich auf den weiſeren Ausweg, von dieſem Uebel ſelbſt fuͤr die roͤmiſche Groͤße Nutzen zu ziehen. In einem Ver⸗ gleich, der zu Amalſi mit Robert Guiscard zu Stande kam, beſtaͤtigte Papſt Nikolaus II dieſem Eroberer den Beſitz von Calabrien und Apulien als paͤpſtliches Lehen, befreite ſein Haupt von dem Kirchenbann, und reichte ihm als oberſter Lehensherr die Fahne. Wenn irgend eine Macht die Tapferkeit der Normaͤnner mit dem Geſchenk dieſer Fuͤrſtenthuͤmer beloh⸗ nen konnte, ſo kam es doch keineswegs dem roͤmiſchen Biſchof zu, dieſe Großmuth zu beweiſen. Robert hatte kein Land weg⸗ genommen, das dem erſten Finder gehoͤrte; von dem griechi⸗ ſchen, oder, wenn man will, von dem deutſchen Reich waren die Provinzen abgeriſſen, welche er ſich mit dem Schwert zu⸗ geeignet hatte. Aber von jeher haben die Nachfolger Petri in der Verwirrung geerntet. Die Lehensverbindung der Nor⸗ maͤnner mit dem roͤmiſchen Hofe war fuͤr ſie ſelbſt und fuͤr dieſen das vortheilhafteſte Ereigniß. Die Ungerechtigkeit ihrer Eroberungen bedeckte jetzt der Mantel der Kirche; die ſchwache, kaum fuͤhlbare Abhaͤngigkeit von dem apoſtoliſchen Stuhl entzog ſie dem ungleich druͤckendern Joche der deutſchen Kaiſer, und