Teil eines Werkes 
11. Band (1838)
Entstehung
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lerno und andern Diſtricten. Die Menge und Verſchiedenheit der Oberherren, der ſchnelle Wechſel der Graͤnze, die Entfer⸗ nung und Unmacht des griechiſchen Kaiſerhofs hielten dem ſtrafloſen Ungehorſam eine ſichere Zuflucht bereit; National⸗ unterſchied, Religionshaß, Raubſucht, Vergroͤßerungsbegierde, durch kein Geſetz gezuͤgelt, verewigten die Anarchie auf dieſem Boden, und naͤhrten die Fackel eines immerwaͤhrenden Kriegs. Das Volk wußte heute nicht, wem es morgen gehorchen wuͤrde⸗ und der Saͤemann war ungewiß, wem die Ernte gehoͤrte.

Dieß war der klaͤgliche Zuſtand des untern Italiens im neunten, zehnten und eilften Jahrhundert, waͤhrend daß Sici⸗ lien unter arabiſchem Scepter einer ruhigern Knechtſchaft ge⸗ noß. Der Geiſt der Wallfahrt, welcher beim Ablauf des zehn⸗ ten Jahrhunderts, der gedrohten Annaͤherung des Weltgerichts in den Abendlaͤndern lebendig wurde, fuͤhrte im Jahre 985 auch einige normaͤnniſche Pilger, fuͤnfzig oder ſechzig an der Zahl, nach Jeruſalem. Auf ihrer Heimkehr ſtiegen ſie bei Neapel ans Land und erſchienen zu Salerno, eben als ein grabiſches Heer dieſe Stadt belagerte, und die Einwohner da⸗ mit beſchaͤftigt waren, ſich durch eine Geldſumme ihres Fein⸗ des zu entledigen.

Ungern genug hatten dieſe ſtreitbaren Wallfahrer den Har⸗ niſch mit der Pilgertaſche vertauſcht; der alte Kriegsgeiſt ward bei dem kriegeriſchen Anblick lebendig. Tapfere Hiebe, auf die Haͤupter der Unglaͤubigen gefuͤhrt, duͤnkten ihnen keine ſchlech⸗ tere Vorbereitung auf das Weltgericht zu ſeyn, als ein Pilger⸗ zug nach dem heiligen Grabe. Sie boten den belagerten Chri⸗ ſten ihre muͤßige Tapferkeit an, und man erraͤth leicht, daß die unverhoffte Huͤlfe nicht verſchmaͤht ward. Von einer klei⸗ nen Anzahl Salernitaner begleitet, ſtuͤrzt ſich die kuͤhne Schaar bei Nachtzeit in das arabiſche Lager, wo man, auf keinen