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die jeder Papſt, mit Hintanſetzung aller perſoͤnlichen Verhaͤlt⸗ niſſe, befolgen zu muͤſſen ſich gedrungen ſah. Man ſah Kaiſer und Koͤnige, erleuchtete Staatsmaͤnner und unbeugſame Krieger im Drang der Umſtaͤnde Rechte aufopfern, ihren Grundſaͤtzen ungetreu werden und der Nothwendigkeit weichen; ſo etwas begegnete ſelten oder nie einem Papſte. Auch wenn er im Elend umher irrte, in Italien keinen Fuß breit Landes, keine ihm holde Seele beſaß, und von der Barmherzigkeit der Fremd⸗ linge lebte, hielt er ſtandhaft uͤber den Vorrechten ſeines Stuhls und der Kirche. Wenn jede andere politiſche Gemeinheit durch die perſoͤnlichen Eigenſchaften derer, welchen ihre Verwaltung uͤbertragen iſt, zu gewiſſen Zeiten etwas gelitten hat und leidet, ſo war dieſes kaum jemals der Fall bei der Kirche und ihrem Oberhaupt. So ungleich ſich auch die Paͤpſte in Temperament, Denkart und Faͤhigkeit ſeyn mochten, ſo ſtandhaft, ſo gleich⸗ foͤrmig, ſo unveraͤnderlich war ihre Politik. Ihre Faͤhigkeit, ihr Temperament, ihre Denkart ſchien in ihr Amt gar nicht einzufließen; ihre Perſoͤnlichkeit, moͤchte man ſagen, zerfloß in ihrer Wuͤrde, und die Leidenſchaft erloſch unter der dreifachen Krone. Obgleich mit jedem hinſcheidenden Papſte die Kette der Thronfolge abriß, und mit jedem neuen Papſte wieder friſch geknuͤpft wurde— obgleich kein Thron in der Welt ſo oft ſeinen Herrn veraͤnderte, ſo ſtuͤrmiſch beſetzt und ſo ſtuͤr⸗ miſch verlaſſen wurde, ſo war dieſes doch der einzige Thron in der chriſtlichen Welt, der ſeinen Beſitzer nie zu veraͤndern ſchien, weil nur die Paͤpſte ſtarben, aber der Geiſt, der ſie be⸗ lebte, unſterblich war.
Kaum hatte Lothar Italien den Ruͤcken gewendet, als Innocentius aufs neue ſeinen Gegnern das Feld raͤumen mußte. Er floh in Begleitung des heiligen Bernhards nach Piſa, wo er den Gegenpapſt und deſſen Anhang auf einer


