Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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kommen aber doch auch nur nahe gekommen, denn der Se⸗ nat der Prytanen und das Gericht des Areopagus waren ſtarke Zuͤgel der demokratiſchen Gewalt. Die Uebel, welche von einer Demokratie unzertrennlich ſind, tumultuariſche und leidenſchaft⸗ liche Entſcheidungen und der Geiſt der Faction, konnten freilich in Athen nicht vermieden werden aber dieſe Uebel ſind doch weit mehr der Form, die er waͤhlte, als dem Weſen der De⸗ mokratie zuzuſchreiben. Er fehlte darin ſehr, daß er das Volk nicht durch Repraͤſentanten, ſondern in Perſon entſcheiden ließ⸗ welches wegen der ſtarken Menſchenmenge nicht ohne Verwir⸗ rung und Tumult, und wegen der uͤberlegenen Anzahl der un⸗ bemittelten Buͤrger nicht immer ohne Beſtechung abgehen konnte. Der Oſtracismus, wobei ſechstauſend Stimmen zum wenigſten erfordert wurden, laͤßt uns abnehmen, wie ſtuͤrmiſch es bei der⸗ gleichen Volksverſammlungen mag zugegangen ſeyn. Wenn man auf der andern Seite bedenkt, wie gut auch der gemeinſte Athenienſer mit dem gemeinen Weſen bekannt war, wie maͤch⸗ tig der Nationalgeiſt in ihm wirkte, wie ſehr der Geſetzgeber dafuͤr geſorgt hatte, daß dem Buͤrger das Vaterland uͤber Al⸗ les ging, ſo wird man einen beſſern Begriff von dem politi⸗ ſchen Verſtande des athenienſiſchen Poͤbels bekommen, und ſich wenigſtens huͤten, von dem gemeinen Volke bei uns voreilig auf jenes zu ſchließen. Alle großen Verſammlungen haben im⸗ mer eine gewiſſe Geſetzloſigkeit in ihrem Gefolge alle klei⸗ nern aber haben Muͤhe, ſich von ariſtokratiſchem Deſpotismus ganz rein zu erhalten. Zwiſchen beiden eine glückliche Mitte zu treffen, iſt das ſchwerſte Problem, das die kommenden Jahrhunderte erſt aufloͤſen ſollen. Bewunderungswerth bleibt mir immer der Geiſt, der den Solon bei ſeiner Geſetzgebung beſeelte, der Geiſt der geſunden und aͤchten Staatskunſt, die das Grundprincipium, worauf alle Staaten ruhen muͤſſen, nie