Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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los, denn der Vater, ſagt er, habe ſich ſchon durch die genoſſene ſinnliche Luſt bezahlt gemacht; eben ſo ſprach er den Sohn von der Pflicht frei, ſeinen Vater zu ernaͤhren, wenn dieſer ihn keine Kunſt haͤtte lernen laſſen. Er erlaubte, Teſtamente zu machen, und ſein Vermoͤgen nach Willkuͤr zu verſchenken, denn Freunde, die man ſich waͤhlt, ſagte er, ſind mehr werth als bloße Verwandte. Die Ausſteuer ſchaffte er ab, weil er wollte, daß die Liebe, und nicht der Eigennutz, Ehen ſtiftete. Noch ein ſchoͤner Zug von Sanftmuth in ſeinem Charakter iſt, daß er verhaßten Dingen mildere Namen gab. Abgaben hießen Beitraͤge; Beſatzungen Waͤchter der Stadt; Gefaͤngniſſe Ge⸗ maͤcher, und die Schuldenvernichtung nannte er Erleichterung. Den Aufwand, zu dem der athenienſiſche Geiſt ſich ſo ſehr neigte, maͤßigte er durch weiſe Verordnungen; ſtrenge Geſetze wachten über die Sitten des Frauenzimmers, uͤber den Um⸗ gang beider Geſchlechter, und die Heiligkeit der Ehen.

Dieſe Geſetze, verordnete er, ſollten nur auf hundert Jahre guͤltig ſeyn wie viel weiter ſah er als Lykurgus. Er be⸗ griff, daß Geſetze nur Dienerinnen der Bildung ſind, daß Na⸗ tionen in ihrem maͤnnlichen Alter eine andere Fuͤhrung noͤthig haben, als in ihrer Kindheit. Lykurgus verewigte die Geiſtes⸗ kindheit der Spartaner, um dadurch ſeine Geſetze bei ihnen zu verewigen, aber ſein Staat iſt verſchwunden mit ſeinen Ge⸗ ſetzen. Solon verſprach den ſeinigen nur eine hundertjaͤhrige Dauer, und noch heutiges Tages ſind viele derſelben im roͤ⸗ miſchen Geſetzbuch in Kraft. Die Zeit iſt eine gerechte Richte⸗ rin aller Verdienſte.

Man hat dem Solon zum Vorwurfe gemacht, daß er dem Volke zu große Gewalt gegeben habe, und dieſer Vorwurf iſt nicht ungegruͤndet. Indem er eine Klippe, die Oligarchie, zu ſehr vermied, iſt er einer andern, der Anarchie, zu nahe ge⸗