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Dieſes Edict war allerdings ein gewaltſamer Angriff auf das Eigenthum, aber die hoͤchſte Noth des Staats machte einen gewaltſamen Schritt nothwendig. Er war unter zwei Uebeln das kleinere, denn die Claſſe des Volks, welche dadurch litt, war weit geringer, als die, welche dadurch gluͤcklich wurde.
Durch dieſes wohlthaͤtige Edict waͤlzte er auf einmal die ſchweren Laſten ab, welche die arme Buͤrgerclaſſe ſeit Jahr⸗ hunderten niedergedruͤckt hatten; die Reichen machte er dadurch nicht elend, denn er ließ ihnen, was ſie hatten; er nahm ihnen nur die Mittel, ungerecht zu ſeyn. Nichtsdeſtoweniger erntete er von den Armen ſo wenig Dank als von den Reichen. Die Armen hatten auf eine voͤllig gleiche Laͤndervertheilung gerech⸗ net, davon in Sparta das Beiſpiel gegeben war, und murrten deßwegen gegen ihn, daß er ihre Erwartungen hintergangen hatte. Sie vergaßen, daß der Geſetzgeber den Reichen eben ſo gut als den Armen Gerechtigkeit ſchuldig ſey, und daß die An⸗ ordnung des Lykurgus eben darum nicht nachahmungswuͤrdig ſey, weil ſie ſich auf eine Unbilligkeit gruͤndete, die zu vermeiden geweſen waͤre.
Der Undank des Volks preßte dem Geſetzgeber eine beſchei⸗ dene Klage aus.„Ehemals,“ ſagte er,„rauſchte mir von allen Seiten mein Lob entgegen; jetzt ſchielt Alles mit feindlichen Blicken auf mich.“ Bald aber zeigten ſich in Attika die wohl⸗ thaͤtigen Folgen ſeiner Verfuͤgung. Das Land, das vorher Sklavendienſte that, war jetzt frei; der Buͤrger bearbeitete den Acker jetzt als ſein Eigenthum, den er vorher als Tagloͤhner fuͤr ſeinen Creditor bearbeitet hatte. Viele ins Ausland verkaufte Buͤrger, die ſchon angefangen hatten, ihre Mutterſprache zu verlernen, ſahen als freie Menſchen ihr Vaterland wieder.
Das Vertrauen in den Geſetzgeber kehrte zuruͤk. Man uͤbertrug ihm die Reformation des Staats und unumſchraͤnkte


