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gehen ſollte, ſo mußte man dieſes zerſtoͤrte Gleichgewicht der Guͤter auf eine gewaltſame Art wieder herſtellen.
Zu dieſem Ende waren unter dem Volk drei Factionen ent⸗ ſtanden. Die eine, welcher die armen Buͤrger beſonders bei⸗ traten, forderte eine Demokratie, eine gleiche Vertheilung der Aecker, wie ſie Lykurgus in Sparta eingefuͤhrt hatte; die andere, welche die Reichen ausmachten, ſtritt fuͤr die Ariſto⸗ kratie; die dritte wollte beide Staatsformen mit einander verbunden wiſſen, und ſetzte ſich den beiden andern entgegen, daß keine durchdringen konnte.
Es war keine Hoffnung, dieſen Streit auf eine ruhige Art beizulegen, ſo lange man nicht einen Mann fand, dem ſich alle drei Parteien auf gleiche Weiſe unterwarfen, und ihn zum Schiedsrichter uͤber ſich anerkannten.
Gluͤcklicher Weiſe fand ſich ein ſolcher Mann, und ſeine Ver⸗ dienſte um die Republik, ſein ſanfter billiger Charakter, und der Ruf ſeiner Weisheit hatten laͤngſt ſchon die Augen der Na⸗ tion auf ihn gezogen. Dieſer Mann war Solon, von koͤnig⸗ licher Abkunft, wie Lykurgus, denn er zaͤhlte den Kodrus unter ſeinen Ahnherrn. Solons Vater war ein ſehr reicher Mann ge⸗ weſen, aber durch Wohlthun hatte er ſein Vermoͤgen geſchwaͤcht, und der junge Solon mußte in ſeinen erſten Jahren die Kauf⸗ mannſchaft ergreifen. Durch Reiſen, welche ihm dieſe Lebens⸗ art nothwendig machte, und durch den Verkehr mit auswaͤrtigen Voͤlkern bereicherte ſich ſein Geiſt, und ſein Genie entwickelte ſich im Umgang mit fremden Weiſen. Fruͤhe ſchon legte er ſich auf die Dichtkunſt, und die Fertigkeit, die er darin erlangte, kam ihm in der Folge ſehr gut zu ſtatten, moraliſche Wahr⸗ heiten und politiſche Regeln in dieſes gefaͤllige Gewand zu klei⸗ den. Sein Herz war empfindlich fuͤr Freude und Liebe; einige Schwachheiten ſeiner Jugend machten ihn um ſo nachſichtiger


