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Menſchheit; ein ſchlechter Philoſoph und ein noch ſchlechterer Kenner der Menſchen, mit kaltem Herzen, beſchraͤnktem Kopf und unbiegſam in ſeinen Vorurtheilen. Solch ein Mann war vortrefflich, Geſetze zu vollziehen; aber ſie zu geben, konnte man keine ſchlimmere Wahl treffen.
Es iſt uns wenig von den Geſetzen des Drako uͤbrig geblie⸗ ben, aber dieſes Wenige ſchildert uns den Mann und den Geiſt ſeiner Geſetzgebung. Alle Verbrechen ſtrafte er ohne Unter⸗ ſchied mit dem Tode, den Muͤßiggang wie den Mord, den Diebſtahl eines Kohls oder eines Schafs wie den Hochverrath und die Mordbrennerei. Als man ihn daher fragte, warum er die kleinen Vergehungen eben ſo ſtreng beſtrafe, als die ſchwer⸗ ſten Verbrechen, ſo war ſeine Antwort:„Die kleinſten Ver⸗ brechen ſind des Todes wuͤrdig; fuͤr die groͤßern weiß ich keine andere Strafe als den Tod— darum muß ich beide gleich behandeln.“
Drako's Geſetze ſind der Verſuch eines Anfaͤngers in der Kunſt, Menſchen zu regieren. Schrecken iſt das einzige In⸗ ſtrument, wodurch er wirkt. Er ſtraft nur begangenes Uebel, er verhindert es nicht, er bekuͤmmert ſich nicht darum, die Quellen desſelben zu verſtopfen und die Menſchen zu verbeſſern. Einen Menſchen aus den Lebendigen vertilgen, weil er etwas Boͤſes begangen hat, heißt eben ſo viel, als einen Baum um⸗ hauen, weil eine ſeiner Fruͤchte faul iſt.
Seine Geſetze ſind doppelt zu tadeln, weil ſie nicht allein die heiligen Gefuͤhle und Rechte der Menſchheit wider ſich haben, ſondern auch, weil ſie auf das Volk, dem er ſie gab, nicht be⸗ rechnet waren. War ein Volk in der Welt ungeſchickt, durch ſolche Geſetze zu gedeihen, ſo war es das athenienſiſche. Die Sklaven der Pharaonen, oder des Koͤnigs der Koͤnige, wuͤrden


