Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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ſcheinbare Abſicht wuͤrde es rechtfertigen koͤnnen. Es waͤre unmittelbar gegen das hoͤchſte Gut, gegen den hoͤchſten Zweck der Geſellſchaft gerichtet.

Mit dieſem allgemeinen Maßſtab verſehen, koͤnnen wir nicht lange zweifelhaft ſeyn, wie wir den Lykurgiſchen Staat beurtheilen ſollen.

Eine einzige Tugend war es, die in Sparta mit Hint⸗ anſetzung aller andern geübt wurde, Vaterlandsliebe.

Dieſem kuͤnſtlichen Triebe wurden die natuͤrlichſten ſchoͤnſten Gefuͤhle der Menſchheit zum Opfer gebracht.

Auf Unkoſten aller ſittlichen Gefuͤhle wurde das politiſche Verdienſt errungen, und die Faͤhigkeit dazu ausgebildet. In Sparta gab es keine eheliche Liebe, keine Mutterliebe, keine kindliche Liebe, keine Freundſchaft es gab nichts als Buͤrger, nichts als buͤrgerliche Tugend. Lange Zeit hatte man jene ſpartaniſche Mutter bewundert, die ihren aus dem Treffen entkommenen Sohn mit Unwillen von ſich ſtoͤßt, und nach dem Tempel eilt, den Goͤttern fuͤr den Gefallenen zu danken. Zu einer ſolchen unnatuͤrlichen Staͤrke des Geiſtes haͤtte man der Menſchheit nicht Gluͤck wuͤnſchen ſollen. Eine zaͤrtliche Mutter iſt eine weit ſchoͤnere Erſcheinung in der moraliſchen Welt, als ein heroiſches Zwittergeſchoͤpf, das die natuͤrliche Empfindung verlaugnet, um kuͤnſtliche Pflicht zu befeiedigen.

Welch ſchoͤneres Schauſpiel gibt der rauhe Krieger Corio⸗ lanus in ſeinem Lager vor Rom, der Rache und Sieg auf⸗ opfert, weil er die Thraͤnen der Mutter nicht fließen ſehen kann!

Dadurch, daß der Staat der Vater ſeines Kindes wurde, hoͤrte der natuͤrliche Vater desſelben auf, es zu ſeyn. Das Kind lernte nie ſeine Mutter, ſeinen Vater lieben, weil es ſchon in dem zarteſten Alter von ihnen geriſſen, ſeine Eltern nicht an ihren Wohlthaten, nur von Hoͤrenſagen erfuhr.