Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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Ziel, wornach er ſtrebte, und dieſes Ziel hat er ſo weit erreicht, als unter ſeinen Umſtaͤnden moͤglich war. Aber haͤlt man den Zweck, welchen Lykurgus ſich vorſetzte, gegen den Zweck der Menſchheit, ſo muß eine tiefe Mißbilligung an die Stelle der Bewunderung treten, die uns der erſte fluͤchtige Blick ab⸗ gewonnen hat. Alles darf dem Beſten des Staats zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat ſelbſt nur als ein Mittel dient. Der Staat ſelbſt iſt niemals Zweck, er iſt nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menſchheit erfuͤllt werden kann, und dieſer Zweck der Menſchheit iſt kein anderer, als Ausbildung aller Kraͤfte des Menſchen, Fortſchreitung. Hindert eine Staatsverfaſſung, daß alle Kraͤfte, die im Menſchen liegen, ſich entwickeln; hindert ſie die Fortſchreitung des Geiſtes: ſo iſt ſie verwerflich und ſchaͤdlich, ſie mag uͤbrigens noch ſo durchdacht, und in ihrer Art noch ſo vollkommen ſeyn. Ihre Dauerhaftigkeit ſelbſt gereicht ihr alsdann vielmehr zum Vorwurf, als zum Ruhme ſie iſt dann nur ein verlaͤngertes Uebel; je laͤnger ſie Beſtand hat, um ſo ſchaͤdlicher iſt ſie.

Ueberhaupt koͤnnen wir bei Beurtheilung politiſcher Anſtalten als eine Regel feſtſetzen, daß ſie nur gut und lobenswuͤrdig ſind, inſofern ſie alle Kraͤfte, die im Menſchen liegen, zur Ausbildung bringen, inſofern ſie Fortſchreitung der Cultur befoͤrdern, oder wenigſtens nicht hemmen. Dieſes gilt von Religions⸗, wie von politiſchen Geſetzen; beide ſind verwerflich, wenn ſie eine Kraft des menſchlichen Geiſtes feſſeln, wenn ſie ihm in irgend etwas einen Stillſtand auferlegen. Ein Geſetz z. B., wodurch eine Nation verbunden wuͤrde, bei dem Glau⸗ bensſchema beſtaͤndig zu verharren, das ihr in einer gewiſſen Periode als das vortrefflichſte erſchienen, ein ſolches Geſetz waͤre ein Attentat gegen die Menſchheit, und keine noch ſo