Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

Suͤmpfe austrocknet, ſo wird ein heiterer Himmel uͤber ihm, Naͤſſe und Nebel verlieren ſich, die Winter werden ſanfter und kuͤrzer, die Fluͤſſe frieren nicht mehr zu. Und der Geiſt verfeinert ſich mit dem feinern Klima.

Der Staat beſchaͤftiget den Buͤrger fuͤr die Beduͤrfniſſe und Beguemlichkeiten des Lebens. Arbeitſamkeit gibt dem Staat Sicherheit und Ruhe von außen und innen, die dem Denker und Kuͤnſtler jene fruchtbare Muße gewaͤhrt, wodurch das Zeit⸗ alter des Auguſts zum goldenen Alter geworden. Jetzt neh⸗ men die Kuͤnſte einen kuͤhneren ungehinderten Schwung, jetzt gewinnen die Wiſſenſchaften ein reines gelaͤutertes Licht, Na⸗ turgeſchichte und Phyſik ſtuͤrzen den Aberglauben, die Geſchichte reicht den Spiegel der Vorwelt, und die Philoſophie lacht uͤber die Thorheit der Menſchen. Wie aber nun der Luxus in Weich⸗ lichkeit und Schwelgerei ausgeartet, in den Gebeinen der Men⸗ ſchen zu toben anfaͤngt und Seuchen ausbruͤtet, und die At⸗ moſphaͤre verpeſtet, da eilt der bedraͤngte Menſch von einem Reich der Natur zum andern, die lindernden Mittel auszu⸗ ſpaͤhen, da findet er die goͤttliche Rinde der China, da graͤbt er aus den Eingeweiden der Berge den maͤchtig wirkenden Mercur und preßt den koſtbaren Saft aus dem orientaliſchen Mohn. Die verhohlenſten Winkel der Natur werden durch⸗ ſucht, die Scheidekunſt zertruͤmmert die Producte in ihre letzten Elemente und ſchafft ſich eigene Welten, Goldmacher bereichern die Naturgeſchichte, der mikroſkopiſche Blick eines Swammer⸗ dam ertappt die Natur bei ihren geheimſten Proceſſen. Der Menſch geht noch weiter. Noth und Neugierde uͤberſpringen die Schranken des Aberglaubens, er ergreift muthig das Meſ⸗ ſer und hat das groͤßte Meiſterſtuͤck der Natur, den Men⸗ ſchen, entdeckt. So mußte das Schlimmſte das Groͤßte errei⸗ chen helfen, ſo mußte uns Krankheit und Tod draͤngen zum