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Das Kind. Noch ganz Thier, oder beſſer: mehr oder auch weniger als Thier; menſchliches Thier.(Denn das⸗ jenige Weſen, das einmal Menſch heißen ſollte, darf nie⸗ malen nur Thier geweſen ſeyn.) Elender als ein Thier, weil es auch nicht einmal Inſtinct hat. Die Thiermutter darf ihr Junges eher verlaſſen, als die Mutter ihr Kind. Der Schmerz mag ihm wohl Geſchrei auspreſſen, aber er wird es niemals auf die Quelle desſelben aufmerk⸗ ſam machen. Die Milch mag ihm wohl Vergnuͤgen ge⸗ waͤhren, aber ſie wird niemals von ihm geſucht werden. Es iſt ganz leidend—
„Sein Denken ſteigt nur noch bis zum Empfinden,
„Sein ganzes Kenntniß iſt Schmerz, Hunger und die
Binden.“
Der Knabe. Hier iſt ſchon Reflexion, aber immer nur in Bezug auf Stillung thieriſcher Triebe.„Er lernt,“ wie Garve ſagt“),„die Dinge anderer Menſchen und ſeine „Handlungen gegen ſie erſtlich dadurch ſchaͤtzen, weil ſie „ihm(ſinnliches) Vergnuͤgen gewaͤhren.“ Liebe zur Arbeit, Liebe zu den Eltern, zu Freunden, ja ſelbſt Liebe zur Gottheit geht durch den Weg der Sinnlichkeit in ſeine Seele.„Die allein iſt die Sonne,“ wie Garve an einem andern Orte anmerkt“*),„die durch ſich ſelbſt leuchtet und „waͤrmt, alle uͤbrigen Gegenſtaͤnde ſind dunkel und kalt; naber ſie koͤnnen auch erleuchtet und erwaͤrmt werden, „wenn ſie mit ihr in eine ſolche Verbindung treten, daß „ſie die Strahlen derſelben bekommen koͤnnen.“ Die Guter des Geiſtes erhalten beim Knaben nur durch Uebertragung
*) Anmerkungen zu Ferguſons Moralphiloſophie. S. 319. **) Ebendaſelbſt. S. 5953.
Schillers ſaͤmmtl. Werke. X. 2


