Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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wohnt iſt, in einem Zuſtand dunkler Ideen zu exiſtiren, weni⸗ ger faͤhig ſeyn, ſich in dem kritiſchen Augenblick des ſinnlichen Schmerzes zu ermannen, als der, der beſtaͤndig in hellen deutlichen Ideen lebt; aber dennoch ſchuͤtzt weder die hoͤchſte Tu⸗ gend, noch die tiefſte Philoſophie, noch ſelbſt die goͤttliche Re⸗ ligion vor dem Geſetz der Nothwendigkeit, ob ſie ſchon ihre Anbeter auf dem einſtuͤrzenden Holzſtoß beſeligen kann.

Eben dieſe Macht der thieriſchen Fuͤhlungen auf die Em⸗ pfindungskraft der Seele hat die weiſeſte Abſicht zum Grunde. Der Geiſt, wenn er einmal in den Geheimniſſen einer hoͤhern Wolluſt eingeweiht worden iſt, wuͤrde mit Verachtung auf die Bewegungen ſeines Gefaͤhrten herabſehen und den niedrigen Beduͤrfniſſen des phyſiſchen Lebens nicht leicht mehr opfern wollen, wenn ihn nicht das thieriſche Gefuͤhl dazu zwaͤnge. Den Mathematiker, der in den Regionen des Unendlichen ſchweifte und in der Abſtractionswelt die wirkliche vertraͤumte, jagt der Hunger aus ſeinem intellectuellen Schlummer empor; den Phyſiker, der die Mechanik des Sonnenſyſtems zergliedert und den irrenden Planeten durchs Unermeßliche begleitet, reißt ein Nadelſtich zu ſeiner muͤtterlichen Erde zuruͤck; den Philo⸗ ſophen, der die Natur der Gottheit entfaltet, und waͤhnet, die Schranken der Sterblichkeit durchbrochen zu haben, kehrt ein kalter Nordwind, der durch ſeine baufaͤllige Huͤtte ſtreicht, zu ſich ſelbſt zuruͤck, und lehrt ihn, daß er das unſelige Mittel⸗ ding von Vieh und Engel iſt.

Wider die uͤberhandnehmenden thieriſchen Fuͤhlungen ver⸗ mag endlich die hoͤchſte Anſtrengung des Geiſtes nichts mehr, die Vernunft wird, ſo wie ſie wachſen, mehr und mehr uͤber⸗ taͤubt und die Seele gewaltſam an den Organismus gefeſſelt. Hunger und Durſt zu loͤſchen wird der Menſch Thaten thun,