Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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1) in dem gegenwaͤrtigen Zuſtand der Maſchine, 2) im Em⸗ pfindungsvermoͤgen.

Nun laͤßt ſich begreifen, warum thieriſche Empfindungen mit unwiderſtehlicher und gleichſam tyranniſcher Macht die Seele zu Leidenſchaften und Handlungen fortreißen, und uͤber die geiſtigſten ſelbſt nicht ſelten die Oberhand bekommen. Dieſe naͤmlich hat ſie vermittelſt des Denkens hervorgebracht, dieſe alſo kann ſie wiederum durch das Denken aufloͤſen und gar vernichten. Dieß iſt die Gewalt der Abſtraction und uͤberhaupt der Philoſophie uͤber die Leidenſchaften, uͤber die Meinungen, kurz uͤber alle Situationen des Lebens, jene aber ſind ihr durch eine blinde Nothwendigkeit, durch das Geſetz des Me⸗ chanismus aufgedrungen worden; der Verſtand, der ſie nicht ſchuf, kann ſie auch nicht aufloͤſen, ob er dieſelben ſchon durch eine entgegengeſetzte Richtung der Aufmerkſamkeit um Vieles ſchwaͤchen und verdunkeln kann. Der hartnaͤckigſte Stoiker, der an Steinſchmerzen darniederliegt, wird ſich niemals ruͤhmen koͤnnen, keinen Schmerz empfunden zu haben; aber er wird, in Betrachtungen uͤber ſeine Endurſachen verloren, die Empfin⸗ dungskraft theilen, und das uͤberwiegende Vergnuͤgen der gro⸗ ßen Vollkommenheit, die auch den Schmerz der allgemeinen Gluͤckſeligkeit unterordnet, wird uͤber die Unluſt ſiegen. Nicht Mangel der Empfindung war es, nicht Vernichtung derſelben, daß Mucius, die Hand in lohen Flammen bratend, den Feind mit dem römiſchen Blick der ſtolzen Ruhe anſtarren konnte, ſondern der Gedanke des großen ihn bewundernden Roms, der in ſeiner Seele herrſchte, hielt ſie gleichſam innerhalb ihrer ſelbſt gefangen, daß der heftige Reiz des thieriſchen Uebels zu wenig war, ſie aus dem Gleichgewicht zu heben. Aber darum war der Schmerz des Roͤmers nicht geringer als der des weichſten Wolluͤſtlings. Freilich wohl wird derjenige, der ge⸗