Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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Empfindungsvermoͤgen gleichſam angeknuͤpft und die Seele in das Intereſſe ihres Koͤrpers gezogen. Jetzt iſt es etwas mehr als Vegetation, etwas mehr als todter Model und Nerven⸗ und Muskel⸗Mechanik, jetzt iſt es thieriſches Leben.*)

Der Flor des thieriſchen Lebens iſt, wie wir wiſſen, fuͤr den Flor der Seelenwirkungen aͤußerſt wichtig, und darf ohne die Totalaufhebung dieſer letztern niemals aufgehoben werden. Er muß alſo einen feſten Grund haben, der ihm nicht ſo leicht ſchwanke, das heißt, die Seele muß durch eine unwiderſtehliche Macht zu den Handlungen des phyſiſchen Lebens beſtimmt werden. Konnten alſo wohl die Empfindungen des thieriſchen Wohl⸗- oder Uebelſtands geiſtige Empfindungen ſeyn und durch das Denken erzeugt werden? Wie oft wuͤrde ſie das uͤber⸗ waltende Licht der Leidenſchaften verdunkeln, wie oft Traͤgheit oder Dummheit begraben, wie oft Geſchaͤftigkeit und Zer⸗ ſtreuung uͤberſehen? Ferner, wurde nicht von dem Thiermen⸗ ſchen die vollkommenſte Kenntniß ſeiner Oekonomie gefordert, muͤßte das Kind nicht in demjenigen Meiſter ſeyn, in dem unſere

*) Aber auch etwas mehr als thieriſches Leben des Thieres. Das Thier lebt das thieriſche Leben, um angenehm zu empfinden. Es empfindet angenehm, um das thieriſche Leben zu erhalten. Alſo es lebt jetzt, um morgen wieder zu leben. Es iſt jetzt gluͤcklich, um morgen gluͤcklich zu ſeyn. Aber ein einfaches, ein unſicheres Gluͤck, das die Perioden des Organismus nachmacht, das dem Zufall, dem blinden Ungefaͤhr preisgegeben iſt, weil es nur allein in der Em⸗ pfindung beruht. Der Menſch lebt auch das thieriſche Leben, und empfindet ſeine Vergnuͤgungen und leidet ſeine Schmerzen. Aber warum? Er empfindet und leidet, daß er ſein thieriſches Leben erhalte. Er erhaͤlt ſein thieriſches Leben, um ein geiſtiges laͤnger leben zu koͤnnen. Kier iſt alſo Mittel verſchieden vom Zweck, dort ſchienen Zweck und Mittel zu coincidiren. Dieß iſt eine von den Graͤnzſcheiden zwiſchen Menſch und Thier.