Mich daͤucht, es iſt dieß von beiden Theilen gleich einſeitig geſagt. Letzteres Syſtem wird beinahe voͤllig aus unſeren Moralen und Philoſophien verwieſen ſeyn, und iſt, ſcheint es mir, nicht ſelten mit allzu fanatiſchem Eifer verworfen worden, — es iſt gewiß der Wahrheit nichts ſo gefaͤhrlich, als wenn einſeitige Meinungen einſeitige Widerleger finden.—— Das Erſtere iſt wohl im Ganzen am mehrſten geduldet worden, in⸗ dem es am faͤhigſten iſt, das Herz zur Tugend zu erwaͤrmen, und ſeinen Werth an wahrhaftig großen Seelen ſchon gerechtfertiget hat. Wer bewundert nicht den Starkſinn eines Cato, die hohe Tugend eines Brutus und Aurels, den Gleichmuth eines Epiktets und Seneca? Aber deſſen ungeachtet iſt es doch nichts mehr als eine ſchoͤne Verirrung des Verſtandes, ein wirkliches Ertremum, das den einen Theil des Menſchen allzu enthuſiaſtiſch herabwuͤrdigt, und uns in den Rang idealiſcher Weſen erheben will, ohne uns zugleich unſerer Menſchlichkeit zu entladen; ein Syſtem, das Allem, was wir von der Evolution des einzelnen Menſchen und des geſammten Geſchlechts hiſtoriſch wiſſen und philoſophiſch erklaͤren koͤnnen, ſchnurgerade zuwiderlaͤuft und ſich durchaus nicht mit der Eingeſchraͤnktheit der menſchlichen Seele vertraͤgt. Es iſt demnach hier, wie uͤberall, am rath⸗ ſamſten, das Gleichgewicht zwiſchen beiden Lehrmeinungen zu halten, um die Mittellinie der Wahrheit deſto gewiſſer zu tref⸗ fen. Da aber gewöhnlicher Weiſe mehr darin gefehlt worden iſt, daß man zu viel auf die eigene Rechnung der Geiſteskraft, inſofern ſie außer Abhaͤngigkeit von dem Koͤrper gedacht wird, mit Hintanſetzung dieſes letztern geſchrieben hat, ſo wird ſich gegenwaͤrtiger Verſuch mehr damit beſchaͤftigen, den merkwuͤrdi⸗ gen Beitrag des Koͤrpers zu den Actionen der Seele, den gro— ßen und reellen Einfluß des thieriſchen Empfindungsſyſtemes auf das Geiſtige in ein helleres Licht zu ſetzen. Aber darum iſt
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


