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der Feind ihn erreichte, ehe Turenne zu ihm ſtieß; aber was den Kaiſer zuvor gerettet hatte, erhielt jetzt auch die Schweden. Mitten unter der Wuth des Kampfes leitete kalte Klugheit den Lauf des Krieges, und die Wachſamkeit der Höfe vermehrte ſich, je naͤher der Friede herbei rückte. Der Kur⸗ fürſt von Bayern durfte es nicht geſchehen laſſen, daß ſich das Uebergewicht der Macht ſo entſcheidend auf die Seite des Kai⸗ ſers neigte und durch dieſen ploͤtzlichen Umſchwung der Dinge der Friede verzögert würde. So nahe an Abſchließung der Tractaten war jede einſeitige Gluͤcksveranderung äußerſt wichtig, und die Aufhebung des Gleichgewichts unter den tractirenden Kronen konnte auf einmal das Werk vieler Jahre, die theure Frucht der ſchwierigſten Unterhandlungen zerſtören und die Ruhe des ganzen Europa verzögern. Wenn Frankreich ſeine Alliirte, die Krone Schweden, in heilſamen Feſſeln hielt, und ihr, nach Maßgabe ihrer Vortheile und Verluſte, ſeine Hülfe zuzählte, ſo übernahm der Kurfürſt von Bayern ſtillſchweigend dieſes Geſchäft bei ſeinem Alliirten, dem Kaiſer, und ſuchte durch eine weiſe Abwaͤgung ſeines Beiſtandes Meiſter von Oeſterreichs Größe zu bleiben. Jetzt droht die Macht des Kaiſers auf einmal zu einer gefährlichen Höhe zu ſteigen, und Maximilian haäͤlt ploͤtzlich inne, die ſchwediſche Armee zu verfolgen. Auch fürchtete er die Repreſſalien Frankreichs, welches ſchon gedroht hatte, die ganze Macht Turenne's gegen ihn zu ſenden, wenn er ſeinen Truppen erlauben würde, über die Weſer zu ſetzen.
Melander, durch die Bayern gehindert, Wrangeln weiter zu verfolgen, wendete ſich über Jena und Erfurt gegen Heſſen, und erſcheint jetzt als ein furchtbarer Feind in dem⸗ ſelben Lande, das er ehemals vertheidigt hatte. Wenn es wirklich Rachbegierde gegen ſeine ehemalige Gebieterin war,


