Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
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geſteckt hatte, für ſich ſelbſt in Böhmen einzudringen, und be⸗ lagerte Eger, den Schluüſſel zu dieſem Koͤnigreich. Um dieſe Feſtung zu entſetzen, ließ der Kaiſer ſeine letzte Armee mar⸗ ſchiren und fand ſich in eigener Perſon bei derſelben ein. Aber ein weiter Umweg, den ſie nehmen mußte, um die Guͤter des Kriegs⸗ rathspräſidenten von Schlick nicht zu betreten, verzögerte ihren Marſch, und ehe ſie anlangte, war Eger ſchon verloren. Beide Armeen naherten ſich jetzt einander, und man erwartete mehr als einmal eine entſcheidende Schlacht, da beide der Man⸗ gel drückte, die Kaiſerlichen die größere Zahl für ſich hatten, und beide Lager und Schlachtordnungen oft nur durch die aufgewor⸗ fenen Werke von einander geſchieden waren. Aber die Kaiſer⸗ lichen begnügten ſich, dem Feind zur Seite zu bleiben und ihn durch kleine Angriffe, Hunger und ſchlimme Marſche zu er⸗ müden, bis die mit Bayern eröffneten Unterhandlungen das gewünſchte Ziel erreicht haben würden.

Bayerns Neutralität war eine Wunde, die der kaiſerliche Hof nicht verſchmerzen konnte, und nachdem man umſonſt ver⸗ ſucht hatte, ſie zu hindern, ward beſchloſſen, den einzig möglichen Vortheil davon zu ziehen. Mehrere Officiere der bayeriſchen Armee waren über dieſen Schritt ihres Herrn entrüſtet, der ſie auf einmal in Unthätigkeit verſetzte und ihrem Hange zur Un⸗ gebundenheit eine läſtige Feſſel anlegte. Selbſt der tapfere Johann von Werth ſtand an der Spitze der Mißvergnüg⸗ ten, und, aufgemuntert von dem Kaiſer, entwarf er das Com⸗ plot, die ganze Armee von dem Kurfürſten abtrünnig zu machen und dem Kaiſer zuzuführen. Ferdinand erröthete nicht, dieſe Verraͤtherei gegen den treueſten Alliirten ſeines Vaters heimlich in Schutz zu nehmen. Er ließ an die kurfürſtlichen Völker förmliche Abrufungsbriefe ergehen, worin er ſie erinnerte, daß ſie Reichstruppen ſeyen, die der Kurfürſt bloß in kaiſerlichem