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der Zahl, den Paß zu vertheidigen ſtrebten. Unterdeß hatte ſich Turenne, der getroffenen Uebereinkunft gemaͤß, nach dem Würtembergiſchen gewendet, von wo aus er den Land⸗ grafen von Darmſtadt und den Kurfürſten von Mainz durch die Gewalt ſeiner Waffen zwang, nach dem Beiſpiel Bayerns die Neutralität zu ergreifen.
und jetzt endlich ſchien das große Ziel der franzöſiſchen Staatskunſt erreicht zu ſeyn, den Kaiſer, alles Beiſtands der Ligue und ſeiner proteſtantiſchen Alliirten beraubt, den ver⸗ einigten Waffen der beiden Kronen ohne Vertheidigung bloß zu ſtellen und ihm mit dem Schwert in der Hand den Frieden zu dic⸗ tiren. Eine Armee von höchſtens zwölftauſend Mann war Alles, was ihm von ſeiner Furchtbarkeit übrig war, und über dieſe mußte er, weil der Krieg alle ſeine faͤhigen Generale da⸗ hin gerafft hatte, einen Calviniſten, den heſſiſchen Ueberlaufer Melander, zum Befehlshaber ſetzen. Aber wie dieſer Krieg mehrmals die überraſchendſten Gluͤckswechſel aufſtellte, und oft durch einen plotzlichen Zwiſchenfall alle Berechnungen der Staats⸗ kunſt zu Schanden machte, ſo ſtrafte auch hier der Erfolg die Erwartung Lügen, und die tief geſunkene Macht Oeſterreichs arbeitete ſich nach einer kurzen Kriſe aufs neue zu einer drohen⸗ den Ueberlegenheit empor. Frankreichs Eiferſucht gegen die Schweden erlaubte dieſer Krone nicht, den Kaiſer zu Grunde zu richten und die ſchwediſche Macht in Deutſchland dadurch zu einem Grade zu erheben, der für Frankreich ſelbſt zuletzt ver⸗ derblich werden konnte. Oeſterreichs hülfloſe Lage wurde daher von dem franzöſiſchen Miniſter nicht benutzt, die Armee des Turenne von Wrangeln getrennt und an die niederlän⸗ diſchen Gränzen gezogen. Zwar verſuchte Wrangel, nachdem er ſich von Schwaben nach Franken gewendet, Schweinfurt erobert und die dortige kaiſerliche Beſatzung unter ſeine Armee


