Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

469

einer ſchlechten Mauer die feindliche Macht vier ganze Tage auf, daß Banner den Vorſprung gewinnen konnte. Er ent⸗ kam über Eger nach Annaberg; Piccolomini ſetzte ihm auf einem nähern Weg über Schlackenwald nach, und es kam bloß auf den Vortheil einer kleinen halben Stunde an, daß ihm der kaiſerliche General nicht bei dem Paſſe zu Prisnitz zuvor kam und die ganze ſchwediſche Macht vertilgte. Zu Zwickau vereinigte ſich Guebriant wieder mit dem Banner'ſchen Heer, und Beide richteten ihren Marſch nach Halberſtadt, nachdem ſie umſonſt verſucht hatten, die Saale zu vertheidigen und den Oeſterreichern den Uebergang zu wehren.

Zu Halberſtadt fand endlich Banner(im Mai 1641) das Ziel ſeiner Thaten, durch kein anderes als das Gift der Un⸗ maͤßigkeit und des Verdruſſes getoͤdtet. Mit großem Ruhme, obgleich mit abwechſelndem Gluͤck, behauptete er das Anſehen der ſchwediſchen Waffen in Deutſchland und zeigte ſich durch eine Kette von Siegesthaten ſeines großen Lehrers in der Kriegskunſt werth. Er war reich an Anſchlaͤgen, die er ge⸗ heimnißvoll bewahrte und raſch vollſtreckte, beſonnen in Ge⸗ fahren, in der Widerwaͤrtigkeit groͤßer als im Gluͤck und nie mehr furchtbar, als wenn man ihn am Rande des Verderbens glaubte. Aber die Tugenden des Kriegshelden waren in ihm mit allen Unarten und Laſtern gepaart, die das Waffenhand⸗ werk erzeugt oder doch in Schutz nimmt. Eben ſo gebieteriſch im Umgang als vor der Fronte ſeines Heers, rauh wie ſein Gewerbe und ſtolz wie ein Eroberer, druͤckte er die deutſchen Fuͤrſten nicht weniger durch ſeinen Uebermuth als durch ſeine Erpreſſungen ihre Länder. Fuͤr die Beſchwerden des Kriegs entſchädigte er ſich durch die Freuden der Tafel und in den Armen der Wolluſt, die er bis zum Uebermaße trieb und end⸗ lich durch einen fruͤhen Tod buͤßen mußte. Aber uͤppig, wie ein