Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
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Religionsfrieden ſelbſt ſetzte man dieſen Grundſatz nicht aus den Augen. Was man in dieſem Frieden den Chan zenſchenu Preis gab, war nicht unbedingt aufgegeben. Alles, hieß es. ausdruͤcklich, ſollte nur bis auf die näͤchſte allgemeine Krchene verſammlung gelten, welche ſich beſchaftigen würde, beide Kir⸗ chen wieder zu vereinigen. Dann erſt, wenn dieſer letzte Ver⸗ ſuch mißlänge, ſollte der Religionsfriede eine abſolute Gültig⸗ keit haben. So wenig Hoffnung zu dieſer Wiedervereinigung da war, ſo wenig es vielleicht den Katholiſchen ſelbſt damit Ernſt war, ſo viel hatte man deſſen ungeachtet ſchon gewonnen, daß man den Frieden durch dieſe Bedingung beſchrankte.

Dieſer Religionsfriede alſo, der die Flamme des Bürger⸗ kriegs auf ewige Zeiten erſticken ſollte, war im Grunde nur eine temporare Auskunft, ein Werk der Noth und der Ge⸗ walt, nicht vom Geſetz der Gerechtigkeit dictirt, nicht die Frucht berichtigter Ideen uͤber Religion und Religionsfreiheit. 1 Einen Religionsfrieden von der letzten Art konnten die Ka⸗ tholiſchen nicht geben, und wenn man aufrichtig ſeyn will, ei⸗ nen ſolchen vertrugen die Evangeliſchen noch nicht. Weit ent⸗ e fernt, gegen die Katholiſchen eine uneingeſchraͤnkte Billigkeit⸗ zu beweiſen, unterdruckten ſie, wo es in ihrer Macht ſtand, die Calviniſten, welche freilich eben ſo wenig eine Duldung in jenem beſſern Sinne verdienten, da ſie eben ſo weit entferntetee 8 ea waren, ſie ſelbſt auszuüben. Zu einem Religionsfrieden von dieſer Natur waren jene Zeiten noch nicht reif, und die Koͤpfe noch zu trübe. Wie konnte ein Theil von dem andern fordern, was er ſelbſt zu leiſten unvermögend war? Was eine jede Religionspartei in dem Augsburger Frieden rettete oder ge⸗ wann, verdankte ſie dem zufaͤlligen Machtverhaͤltniſſe, in wel⸗ chem beide bei Gründung des Friedens zu einander geſtanden.

Was durch Gewalt gewonnen wurde, mußte behauptet werden